Im Parkverbot in Zehlendorf : Der Polizist und mein Gewissen

Unser Autor weiß selbst, dass er hier wohl zu viel verlangt: Fingerspitzengefühl von der Polizei - das auch noch gegen die Verkehrsregeln wäre. Unmöglich! Dabei parken andere noch viel rücksichtsloser als unser Blogger. Aber ist das ein gutes Argument, was meinen Sie?

Michael Rosenzweig
So ist das Leben, vor allem in den engen Straßen von Berlin. Foto: Imago
So ist das Leben, vor allem in den engen Straßen von Berlin.Foto: Imago

Die Welt ist ungerecht, aber die Polizei soll dein Freund und Helfer sein. Sollte so sein. Aber was kann man verlangen von einem Streifenpolizisten, der schaut, ob in den engen Nebenstraßen Zehlendorfs ordnungsgemäß geparkt ist? Darf Fingerspitzengefühl die Verkehrsregeln auch einmal ersetzen, weil dadurch die Verhältnismäßigkeit gewahrt bliebe? Oder ist das zu viel verlangt? Hier kommt die Geschichte.

Eine Nebenstraße von der Clayallee, Kopfsteinpflaster, Einbahnstraße - und immer am Tage bis zu Geschäftsschluss zugeparkt mit Menschen, die auf der Clayallee arbeiten oder dort einkaufen, aber nicht das gebührenpflichtige Parkhaus nutzen wollen. Fast jeden Tag stehen Autos am Anfang der Straße im Parkverbot, und vor allem die großen Vans, deren Halter und Halterinnen es offensichtlich lieben, in kleinen Straßen zu parken, schaffen es nie an den Bordsteinrand, sondern sie stehen oft bis zu knapp einem Meter in der Straße. Die Anwohner, viele Familien mit Kindern, die hier wohnen, kurven derweil so lange herum, um einen freien Platz zu finden, wie es normalerweise nur in den Innenstadtbezirken üblich ist. Und bitte, lieber Leser, nicht gleich wieder auf Zehlendorf schimpfen: Ja, generell ist es hier sehr viel einfacher, Parkplätze zu finden. Aber es soll hier ja um den Polizisten gehen.

Ich kurve also mal wieder mit Kind und Kegel und finde an der Straßenecke noch einen Platz. Richtig ist, es sind keine fünf Meter Abstand mehr zum Straßenende, aber noch so viel, dass Fußgänger samt Kinderwagen bequem vorbeilaufen können. Plötzlich ist er da, der Streifenpolizist. Er sieht mich und hinten das Baby, das zweite Kind ist schon in der Schule, das dritte mit der Mutter beim Arzt. Ich seufze, weiß ja, was jetzt kommt. Er: "So können Sie hier nicht parken, zu wenig Abstand." Ich sage: "Ja aber...", und ich weiß schon in diesem Moment wie zwecklos und falsch meine Erwiderung ist, "...diese ganze Straße hier ist immer voll geparkt von Autos, die regelwidrig stehenund zwar so, das sie andere wirklich behindern. Ich behindere doch niemanden."

Wer nicht hören will, muss zahlen. Unser Autor ist deshalb lieber weiter gefahren und hat sich geärgert. Der Polizist war natürlich im Recht. Foto: Imago
Wer nicht hören will, muss zahlen. Unser Autor ist deshalb lieber weiter gefahren und hat sich geärgert. Der Polizist war...Foto: Imago

Der Polizist: "Dafür bin ich ja da, ich kenne diese Straße, ich sorge schon dafür, dass das nicht passiert." Ich, zögerlich: "Nun, also, ähm, ich habe Sie hier noch nie gesehen, dafür aber ärgere ich mich jeden Tag über rücksichtslose Autobesitzer. Gestern hat einer quer auf dem Bürgersteig gestanden, ein schönes, schickes und nobles Auto, die die vorbei wollten, mussten sehr gut manövrieren, weil das Hinterteil so weit in die Straße hineinragte." Polizist: "Wissen Sie, Sie mussten ja nicht hierher ziehen, wenn Sie Parkplätze wollen, dann müssen Sie woanders hinziehen. Ich zum Beispiel bin nach Wannsee gezogen, hab nie ein Problem."

Ich: "Ähm, also, ich wohne gern..." Habe dann nichts mehr gesagt, bin weggefahren. Gab ja dann auch noch einen Parkplatz um die Ecke. Und nochmals: Ja, es hat nicht wirklich so lange gedauert wie in der Innenstadt, wo ich lange auch gewohnt habe. Aber am Abend, da sah ich wieder drei, vier Autos die mit fast einem Meter Abstand vom Bordstein standen, später kamen ihre Besitzer aus dem anliegenden Restaurant und brausten davon.

Auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz in Rathausnähe bekommt man übrigens immer sofort ein Ticket, wenn man nur fünf Minuten zu spät ist. Und wenn der Parkscheinautomat kaputt ist, was häufig vorkommt, sowieso. Da hilft nicht einmal ein höflich formulierter Zettel mit dem Hinweis, der Parkscheinautomat sei kaputt.

Ich bin wohl ein Spießer, und ich verlange wohl, dass die Polizei mit zweierlei Maß agiert? Oder sind Verhältnismäßigkeit und Fingerspitzengefühl doch berechtigte Argumente? Nur dann dürfte ja die Polizei ein Freund und Helfer sein.

Der Autor lebt in Zehlendorf. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegels. Der Autor möchte hier noch anmerken: Der Polizist hatte Recht.




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