"Rumpelbasar" in Steglitz-Zehlendorf : Berlins einziges Sozialkaufhaus ist gerettet

Das Glück aus Zweiter Hand bleibt erhalten. Die ehrenamtlichen Betreiber des Sozialkaufhauses "Rumpelbasar" konnten einen neuen Mietvertrag abschließen.

von
Jede Menge Schnäppchen - zum Beispiel hier in der Stoffabteilung des "Rumpelbasars"
Jede Menge Schnäppchen - zum Beispiel hier in der Stoffabteilung des "Rumpelbasars"Foto: Thilo Rückeis

Um „5 Minuten vor Zwölf“ kam die Rettung. So sieht es Sylvia Wiesner, die Vizevorsitzende des Steglitz-Zehlendorfer Sozialkaufhauses, genannt „Rumpelbasar“. Das ist, wie berichtet, ein berlinweit einmaliges Projekt für alle, die beim Ausmisten gebrauchte, noch gut erhaltene Sachen verschenken wollen oder gerade nach solchen Schnäppchen suchen.

Hunderte Kunden drängeln durch die Verkaufsräume

Allwöchentlich drängeln sich zu den Öffnungszeiten hunderte Kunden durch die Räume, während nebenan, an der Rampe, Waren von Spendern angenommen und für den Verkauf sortiert werden. Aber bis zum Spätsommer war das ehrenamtlich betriebene Unternehmen akut bedroht. Der Mietvertrag lief aus, alles sollte raus. Zu guter Letzt wurde das Domizil des Basars im Gewerbegebiet an der Goerzallee aber verkauft — und der neue Besitzer hat den Betreibern nun wenigstens einen Mietvertrag für zwei weitere Jahre gegeben.

Kiste um Kiste. An der Rampe des Sozialkaufhauses liefern Bürger ihre Spenden an, die sie Zuhause aussortiert haben. Ehrenamtliche Helfer sichten den Inhalt und bringen die Dinge zu den einzelnen Verkaufsabteilungen.
Kiste um Kiste. An der Rampe des Sozialkaufhauses liefern Bürger ihre Spenden an, die sie Zuhause aussortiert haben. Ehrenamtliche...Foto: Thilo Rückeis

Hinter den Fenstern eines schlichten, mehrstöckigen Gewerbegebäudes Am Stichkanal in Lichterfelde gibt es im Souterrain und Parterre seit 2008 auf rund 500 Quadratmetern Verkaufsabteilungen wie bei Karstadt oder KaDeWe, zwar weniger auf Schick getrimmt, aber dafür randvoll mit Second-Hand-Waren für den kompletten Hausstand, für Trödler und Sammler – von Kleidern und Schmuck, Spielzeug und Büchern bis zu Kleinmöbeln, Stoffen oder Küchengeräten. Nur gebrauchte Hygieneartikel und Matratzen oder Schuhe werden nicht gebraucht akzeptiert und weiterverkauft.

Vom Erlös des Rumpelbasars profitieren andere Sozialinitiativen

Dienstags und mittwochs ist hier jeweils Hochbetrieb: Privatleute bringen ihre ausgemusterten Sachen vorbei, Kunden freuen sich über das breite Angebot und die günstigen Preise. Gestemmt wird der ganze Betrieb von rund vierzig ehrenamtlichen Helfern in ihrer Freizeit. Der Erlös des Projektes von jährlich bis zu 100.000 Euro kommt zahlreichen anderen Sozialinitiativen im Bezirk zugute. Wegen des auslaufenden Mietvertrages und des in Aussicht stehenden Verkaufs des Gebäudes, das bislang der Berliner „Eduard Winter GmbH“ gehörte, war die Zukunft jedoch ungewiss.

Erst gemütlich schmökern - dann kaufen. Am besten auf dem Sofa im Second-Hand-Buchshop.
Erst gemütlich schmökern - dann kaufen. Am besten auf dem Sofa im Second-Hand-Buchshop.Foto: Thilo Rückeis


Zugleich konnten sich die Rumpelbasar-Aktivisten aber auf eine breite Unterstützung verlassen. Bezirks-Sozialstadtrat Frank Mückisch (CDU) und der in Lichterfelde-West und Zehlendorf-Süd gerade wieder gewählte CDU-Direktkandidat fürs Abgeordnetenhaus Christian Goyni sicherten ihre Hilfe zu. Für Goyni ist das Sozialkaufhaus „ein großartiges Projekt“, es müsse „unbedingt“ erhalten bleiben, sagt er. Und auch der Geschäftsführer der Eduard Winter GmbH, Alexander Boye, setzte sich bei den Verkaufsverhandlungen offenbar für den Rumpelbasar vehement ein.
So bekam dieser schließlich den ersehnten neuen Mietvertrag, unterschrieben von der Berliner Immobiliengesellschaft Dr Hintze & Co. KG. Diese hat das Gebäude am Stichkanal im vergangenen Sommer erworben. Die Miete wurde zwar um mehr als 2000 Euro erhöht, aber das sei durch die Einnahmen des Sozialkaufhauses noch finanzierbar, sagt Vorstandsmitglied Wiesner. „Hauptsache, wir haben wieder zwei Jahre Sicherheit.“
Was danach kommt? Das Rumpelbasar-Team ist optimistisch. „Vielleicht eine Vertragsverlängerung oder eine neue längerfristige Bleibe.“
Rumpelbasar Zehlendorf, Am Stichkanal 2-4 in Lichterfelde-West,
geöffnet: Dienstag 9.30-11.30 Uhr; Mittwoch 17-19 Uhr, www.rumpelbasar-zehlendorf.de, Tel.: 84722023

Video
Cornelia Temesvári, Vorstandsmitglied des „Berliner Büchertisch“, hofft, dass es mit dem sozialen Projekt weitergeht.
Verdrängung in Kreuzberg – dem "Büchertisch" droht das Aus



Liebe Leserinnen, liebe Leser,

willkommen im Tagesspiegel Steglitz-Zehlendorf. Unsere lokale Plattform ist offen für Debatten, die die Bürger in Steglitz und Zehlendorf bewegen. Auch direkt aus dem Kiez heraus, aktuell, bürgernah und kritisch. Gerne laden wir auch Sie ein, das Portal gemeinsam mit uns weiterzuentwickeln und zu befüllen; auch die gesellschaftlichen Gruppen und Multiplikatoren sind aufgerufen, eigene Diskussionsbeiträge zu verfassen. Wenn Sie Lust haben, eigene Texte zu liefern, oder Anregungen zu kommunalpolitischen Themen haben, schreiben Sie uns gerne an: steglitz.zehlendorf@tagesspiegel.de

Ihr Team von Tagesspiegel Steglitz-Zehlendorf

3 Kommentare

Neuester Kommentar