Von Zehlendorf nach Franken : Vermisse ich die Familie? Nö!

Triebwerkschaden und ein ICE mit eineinhalb Stunden Verspätung - aber zumindest eine Reisende genießt es. Unsere Autorin. Warum nur? Der innere Monolog einer Mama auf Dienstreise.

Nina Massek
Unsere Autorin bloggt auch als „Frau-Mutter“. Der Zehlendorf Blog kooperiert mit www.Frau-Mutter.com
Unsere Autorin bloggt auch als „Frau-Mutter“. Der Zehlendorf Blog kooperiert mit www.Frau-Mutter.comFoto: Anne Kreuz

„Wir vermissen Dich jetzt schon, hatte er gesagt…..Süss..Ganz ehrlich, ich werde Euch glaube ich, nicht vermissen. Beschliesse jetzt, dass ich auch keine schlechte Mutter deswegen bin oder so..Drei Tage allein! YES! Nur für mich selbst verantwortlich sein. Brotbox eingepackt? Matschhose gewaschen? NOT MY PROBLEM!! Freiheit…Frei… sein…..Frei….”

“Im ICE muss die Freiheit wohl grenzenlos sein….alle Ängste alle Sorgen, sagt man, wären dahinter verborgen und dann…”

„Guten Tag, meine sehr verehrten Damen und Herren, bitte beachten Sie folgenden Hinweis: Unser Zug hat einen Triebwerkschaden, die Weiterfahrt verzögert sich um einige Minuten.“

„Ach ja, ist doch nicht so schlimm. Kann ja jedem mal passieren. Habe auch öfters Triebwerkschäden. Schaue ich halt aus dem Fenster. So ein schöner Wald. Und Hügel gibt es hier…irre….”

„Sehr geehrte Zuggäste, wir werden nun von einem anderen Zug abgeschleppt, der uns über den Berg zieht und in den Bahnhof Obersonnental bringt. Ob die Anschlüsse dort gehalten werden, können wir Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Unser Servicemitarbeiter wird in Kürze mit einem Bistrowagen mit Erfrischungen an ihrem Platz vorbei kommen.“

„Abschleppen. Aha.„Lass Dich nicht an der Hotelbar abschleppen, hat er gesagt. Und jetzt werde ich von einem Zug abgeschleppt. Merke: Werde auch nicht jünger und begehrenswerter, wenn mich jetzt schon ein Zug abschleppt…..

….Ist immer noch schön hier, der Wald, geschneit hat’s schon. Mal bisschen twittern. Mhhhh. Nun stehen wir schon seit einer Stunde am Hang.

„Da werd‘ i mi a weng bschweren bei derra Bahn“.

“Aha, die anderen Zuggäste werden langsam ungeduldig. Sind wohl keine beruftstätigen Mütter von kleinen Kindern. Leudde, wisst Ihr eichentlich, wie gut es Euch geh?. IHR HABT FREIZEIT!!!.”

„Grüss Gott, haben Sie Inderrrrresse an einer Errrrrfrischung?“

„A weng Wurrrrschtsemmel, bidde”, probiere ich mein neuerworbenes Fränkisch aus. Der Servicemitarbeiter schaut sekptisch. Er ahnt wohl, dass ich eine Preussin auf Abwegen bin.

„Und zum Tringggen?“

“Cola, die mit viel Zucker und noch eine Tüte Gummibärchen und den Schokoriegel. Die Kinder sind ja nicht da und da muss ich auch kein Vorbild sein…..“

(Wir stehen weiterhin und warten darauf abgeschleppt zu werden)

„So und jetzt denke mal über meine Altersvorsorge nach. Jetzt habe ich mal Zeit dazu und das ist ja auch wichtig“………

—-Denk —-Denk

(Denke eine Minute darüber nach, zum Juwelier zu gehen und mein Geld zu Gold zu machen. Ist sicher auch was Gutes. Bleibende Werte)

“Genug langweiliges Zeug gedacht”.

Twittere. Facebooke. Geniesse meine Cola.
“Ob das „Gola“ auf fränkisch heisst??”
Stopfe mich mit Süssigkeiten voll.

Es ruckelt. Der Zug und ich werden abgeschleppt. Ich komme mit 1,5 stündiger Verspätung. Und bin die einzige Reisende im Zug, die das so richtig genossen hat.

Freiheit!

Unsere Autorin bloggt regelmäßig unter www.frau-mutter.com, sie wohnt in Zehlendorf. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegels.




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