Berlin : Bezirksfusion: Bei den Ortsteilen hinken die Ämter hinterher

Cay Dobberke

Trotz der zweijährigen Vorbereitung der Bezirksfusionen haben die Politiker und Ämter es bisher versäumt, die neuen Ortsteilnamen in Kraft zu setzen, die als wichtig für die Identifikation der Bürger mit den vergrößerten Stadtteilen gelten. Offiziell ist nach Auskunft des Rechtsexperten der Innenbehörde, Andreas Schmidt von Puskas, "bisher gar nichts geregelt". Es gibt lediglich Absichtserklärungen. Demnach bleibt der Name Prenzlauer Berg im Großbezirk Pankow erhalten, während Mitte sieben Ortsteile inklusive Tiergarten und Wedding bekommen soll und der bisherige Bezirk Charlottenburg ein Ortsteil von Charlottenburg-Wilmersdorf wird.

81 Ortsteile geplant

Insgesamt 81 Ortsteile sind in den jetzt noch 12 statt 23 Bezirken mit jeweils ungefähr 300 000 Einwohnern geplant. Dazu gehören zum einen Gebiete wie Mariendorf in Tempelhof, die auf historische Gemeindenamen zurückgehen und 1920 bei der Entstehung Groß-Berlins festgelegt wurden. Außerdem sollen "verschwundene" Bezirke zu Ortsteilen werden. Dies ist auch zur Orientierung wichtig. Sonst droht Verwirrung: Zumindest in offiziellen Bekanntmachungen müsste zum Beispiel von der Turmstraße oder Müllerstraße in Mitte die Rede sein, obwohl natürlich Moabit und Wedding gemeint sind. Die sieben vorgesehenen Ortsteilnamen im neuen Großbezirk tragen dem Rechnung, sie lauten: Gesundbrunnen, Hansaviertel, Moabit, Mitte, Tiergarten, Tiergarten-Süd und Wedding.

Die Unterteilung erscheint auch nötig, weil es manche Straßennamen nun sogar mehrmals im selben Großbezirk gibt - wie die drei Berliner Straßen in Pankow. Für Neubenennungen von Straßen besteht zwar die Regel, dass jede Bezeichnung stadtweit nur einmal existieren darf, aber für historisch gewachsene Namen gilt dies nicht.

Die nötigen Entscheidungen müssen auch im westlichen Citybezirk Charlottenburg-Wilmersdorf erst noch fallen. Dort steht außer Zweifel, dass Charlottenburg ein Ortsteil sein soll - damit bleibt der Name der ersten preußischen Königin Sophie Charlotte und des Schlosses Charlottenburg erhalten. "Das Umgangssprachliche setzt sich durch", betont Joachim Dannert, der Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung. Nur: "Es gibt keinen Beschluss der BVV oder der Ausschüsse." In den ehemaligen Wilmersdorfer Gremien "haben wir nie darüber diskutiert". Bürgermeister Andreas Statzkowski (CDU) meint, sich an eine "Beschlusslage" in Charlottenburger BVV-Ausschüssen zu erinnern. In den Drucksachen findet sich dazu allerdings nichts.

Mit Friedrichshain-Kreuzberg ist eine Verwaltungseinheit aus zwei Bezirken entstanden, die nicht weiter untergliedert waren. Die aus den früheren Postleitzahlen abgeleiteten Bezeichnungen "SO 36" und "Kreuzberg 61" blieben inoffiziell. Nun sollen Friedrichshain und Kreuzberg jeweils zu Ortsteilen werden, was laut Bezirksamtssprecher Stefan Krautschick aber noch nicht formal in die Wege geleitet wurde.

Im Volksmund sind die Ortsteilnamen so oder so noch erhalten. Es gab und gibt sogar de-facto-Ortsteilnamen, die offiziell nirgends verankert sind. Der eigenständige Bezirk Charlottenburg hatte entgegen einem weit verbreiteten Irrtum nie Ortsteile; dennoch sprechen die Bewohner ganz selbstverständlich von Westend oder Eichkamp. In Zehlendorf hat sich für den Kernbereich um den Teltower Damm, die Berliner Straße und die Clayallee, der nicht zu den drei bisherigen Ortsteilen Dahlem, Nikolassee oder Wannsee gehört, der Name "Zehlendorf-Mitte" eingebürgert. Erst jetzt soll es amtlich einen Ortsteil "Zehlendorf" geben.

Neukölln soll Rixdorf werden

In Reinickendorf wurde erst vor kurzem das Märkische Viertel zu einem neuen Ortsteil erhoben. In Neukölln will Bürgermeister Bodo Manegold (CDU) in diesem Jahr die Gropiusstadt zum fünften Ortsteil erklären und außerdem den Ortsteil Neukölln in Rixdorf umbenennen - diesen Namen hatte einst schon die Vorgänger-Gemeinde getragen.

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