• Bezirksfusion: "Es kann noch nicht alles perfekt laufen" - Der Bürgermeister von Mitte, Joachim Zeller, im Interview

Berlin : Bezirksfusion: "Es kann noch nicht alles perfekt laufen" - Der Bürgermeister von Mitte, Joachim Zeller, im Interview

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Wie läuft der erste Arbeitstag im neuen, großen Bezirk Mitte?

Das neue Bezirksamt hat die ausscheidenden Bezirksamtsmitglieder verabschiedet, sich eine neue Geschäftsverteilung gegeben und sich Entwürfe für das künftige Bezirkswappen vorlegen lassen. Neue Amtsleiter wurden ernannt. Es gibt natürlich noch einen großen Regelungsbedarf. Es kann niemand erwarten, dass schon am 2. Januar alles perfekt läuft.

Wie ist die Stimmung unter den Mitarbeitern?

Wer die Auswahlverfahren für neue Ämter gewonnen hat, ist locker, gelöst und optimistisch. Die anderen sehen der Zukunft in gespannter Erwartung entgegen. Die Umstrukturierung auf der Amtsleiterebene soll Ende Februar abgeschlossen sein. Danach kommen die stellvertretenden Amtsleiter und die Fachbereichsleiter an die Reihe.

Sind denn alle Behörden funktionsfähig?

Ja. Die betreuenden Ämter bleiben zunächst in den drei ehemaligen Bezirksrathäusern. Wer das Wohngeld bisher in der Karl-Marx-Allee bekommen hat, erhält es dort weiterhin. Wer den Sozialhilfeantrag in der Müllerstraße ausgefüllt hat, geht vorläufig weiter in die Müllerstraße. Die Umzüge von Behörden beginnen erst in der nächsten Woche und werden sich noch ein halbes Jahr hinziehen. Besonders gefordert sind dann die örtlichen Bürgerberatungsstellen, die den Bürgern mitteilen müssen, welche Verwaltungsstellen sich wohin verändern.

Haben die Bezirke die lange Übergangszeit bis zur Fusion wirklich genutzt?

Erst seit Oktober 1999 durften die Bezirksamtskollegen gemeinsam tagen und im Vorgriff auf den neuen Bezirk Beschlüsse fassen. Das war, bei laufendem Betrieb, eine verflixt kurze Zeit. Aus über 130 kleinen Ämtern mussten 17 große geschneidert werden. Außerdem war es eine politische Gratwanderung, denn bis zum 31. Dezember waren Mitte, Wedding und Tiergarten völlig eigenständige Bezirksverwaltungen. Parallel dazu wurde die Verlagerung zahlreicher Aufgaben vom Senat in die Bezirke vorbereitet. Wir wissen leider immer noch nicht genau, welche Senatsmitarbeiter mit Aufgabe und Stelle in unser Bezirksamt kommen. Die Eingliederung der Meldestellen musste sogar auf Februar vertagt werden.

Der neue Bezirk Mitte setzt sich aus einem Ost- und zwei West-Bezirken zusammen. Werden zwischen den Mitarbeitern alte Ressentiments wieder aufbrechen?

Bei dem einen oder anderen Mitarbeiter waren in den letzten Monaten gewisse Vorurteile zu spüren, aber der neue Bezirk birgt die große Chance, verbliebene "Ost-West-Spannungen" und Ressentiments durch den engen, täglichen Kontakt zu überwinden.

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