Berlin : Bezirksreform: Manchmal nervt die Köpenickiade

Steffi Bey

Berlin nimmt ab. Kann eine Millionenstadt schlanker werden? Doch, denn am 1. Januar trat die Bezirksfusion in Kraft, und damit sinkt die Zahl der Bezirke durch Fusionen von 23 auf 12. Dies gehört zum Kern der Verwaltungsreform, mit der die Stadt viel Geld sparen will. Jeder dieser 12 Bezirke hat etwa 300 000 Einwohner - so viel wie eine mittlere Großstadt. Wir stellen die zwölf Bezirke der Reihe nach vor.

Treptow-Köpenick. Im Südosten Berlins entstand ein Bezirk der Superlative: Er ist mit 16 841 Hektar der größte Bezirk der Stadt. Er besitzt den höchsten Berg (Müggelberg) und das größte Gewässer (Großer Müggelsee). Etwa dreiviertel des riesigen Areals bestehen aus Wasser, Wald und Parks. Außerdem zählen beide Fusionspartner zu den wenigen Bezirken, die einen Bevölkerungszuwachs verzeichnen. Wer aus der City heraus, Berlin aber nicht gänzlich verlassen will, findet in Treptow-Köpenick eine Alternative. Die Voraussetzungen für eine gemeinsame Zukunft scheinen beinahe ideal. Denn es gibt tatsächlich mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes.

Problematisch könnten allerdings die großen Entfernungen werden, die von den Bewohnern bei Behördengängen zurückzulegen sind. Denn Treptow-Köpenick besteht jetzt aus 15 Ortsteilen. Wer beispielsweise von Alt-Treptow, das im Norden liegt, in den Süden nach Grünau möchte, muss schon eine längere Fahrzeit einplanen. Das Bezirksamt will diese Situation aber in den nächsten Jahren "anwohnerfreundlicher gestalten", wie Bürgermeister Klaus Ulbricht (SPD) betont. Deshalb sind insgesamt sechs Bürgerämter geplant, von denen es schon drei gibt. Viele Köpenicker haben sich in den vergangenen Wochen aber über die Entscheidung der Bezirksverordneten zum neuen Bezirksnamen geärgert. Sie hätten entweder nur für Köpenick gestimmt, oder es zumindest an den Anfang gesetzt. Ihre Argumente sind eindeutig: Köpenick wurde immerhin schon 1209 erstmals urkundlich erwähnt - früher als irgendein Treptower Ortsteil - und ist bekannter. Die Berühmtheit geht auf den Streich des legendären Hauptmanns von Köpenick zurück, der vor 94 Jahren das Rathaus besetzte, den Bürgermeister verhaften ließ und die Stadtkasse raubte. Dieses ständige Erinnern an die Köpenickiade nervt andererseits etliche Treptower. Und sie verweisen auf ihre Besonderheiten: So wurde beispielsweise auf dem heutigen Treptower Gelände 1909 der erste deutsche Motorflugplatz in Johannisthal-Adlershof eröffnet.

Wenn man es ganz genau nimmt, haben Treptow und Köpenick eigentlich nie ganz getrennt voneinander existiert. Denn 1938 wurde das vorher zu Köpenick gehörende Bohnsdorf Treptow zugeschlagen. Und Oberschöneweide und die Wuhlheide gingen an Köpenick.

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