Berlin : Bezirksreform: Zu groß für eine Fusion

Ole Töns

Am 1. Januar trat die Bezirksfusion in Kraft, und die Zahl der Bezirke sank durch Fusionen von 23 auf 12. Dies gehört zum Kern der Verwaltungsreform, mit der die Stadt viel Geld sparen will. Jeder dieser 12 Bezirke hat etwa 300 000 Einwohner - so viel wie eine mittlere Großstadt. Wir stellen die zwölf Bezirke der Reihe nach vor.

Neukölln. Einstöckige Dorfhäuser in Nachbarschaft zu Mietskasernen und tosendem Verkehr - der historische Kern Neuköllns rund um den Richardplatz bietet immer wieder einen beeindruckenden Kontrast. 1360 wurde der Richardshof erstmals urkundlich erwähnt. Rixdorf hieß das Gebiet, bis es 1912 in Neukölln umbenannt wurde. Die Umbenennung sollte an Cölln, die Schwesterstadt Berlins erinnern, und großstädtisches Flair bringen.

Prägend für den Ort blieb jedoch die Industrialisierung. Als 1827 der Weg vom böhmischen Teil zum deutschen Rixdorf und weiter nach Berlin gepflastert wurde, lagen ringsum noch Felder und Wiesen. Evangelische Böhmen hatten Anfang des 18. Jahrhunderts unweit des Richardsdorfes gesiedelt. 1874 wurden die beiden selbstständigen Siedlungen zu einem Ort. 15 000 Einwohner hatte Rixdorf damals. 1912 waren es 250 000, heute sind es über 300 000. Diese Zahl ist auch der Grund dafür, dass der Bezirk nicht fusionieren musste.

Gründerzeit - dem Namen machten diese Jahre alle Ehre. Der gesamten Nordosten war weitgehend bebaut. Stadtviertel wurden aus dem Boden gestampft, Zwecksiedlungen für die wachsende Zahl der Industriearbeiter wie das Rollbergviertel an der Werbellinstraße. Enge Hinterhöfe, hohe Mieten, kleine Wohnungen, große Säuglingssterblichkeit waren Begleiterscheinungen. Viertel wie diese wurden in den 20er Jahren immer wieder als negative Beispiele aufgeführt, wenn die Reformarchitektur für neue Wohnformen, Blockrandbebauung und grüne Innenhöfe warb. Das Rollbergviertel blieb bestehen, bis 1963 gleich mehrere Straßenzüge flächensaniert wurden. Heute spricht man von Kahlschlag.

Neukölln ist durch das Rollbergviertel und den heute kulturell und wirtschaftlich vitalen, wenn auch mitunter rauhen Kiez am Richardplatz kaum ausreichend charakterisiert. Wie ganz Berlin ist es eine Ansammlung von Ortschaften. Dazu gehören Buckow und Rudow, aber auch die zwischen 1962 und 1975 erbaute Gropiusstadt und das bereits 1237 erstmals erwähnte Dorf Britz mit der "Perle des Bezirks" - dem Schloss.

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