Bilanz der Verkehrssünder : Peinliche Punkte

Brandenburg hat vergleichsweise die meisten Einträge in Flensburger Kartei. Die Berliner schnitten am besten ab.

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Ein Polizist stoppt in Kleinmachnow ein Fahrzeug im Rahmen des brandenburgischen 24-Stunden-Blitz-Marathons am 19. April 2017. Foto: imago/Martin Müller
Ein Polizist stoppt in Kleinmachnow ein Fahrzeug im Rahmen des brandenburgischen 24-Stunden-Blitz-Marathons am 19. April 2017.Foto: imago/Martin Müller

Brandenburgs Autofahrer sind die größten Verkehrssünder in Deutschland. Im Verhältnis der in der Flensburger Sünderkartei eingetragenen Punkte zu der Zahl der Einwohner nimmt das Land den traurigen Spitzenplatz ein; gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern und Bremen. Im Verhältnis am besten schnitten die Berliner ab.

Nach den vorliegenden Zahlen für das Jahr 2015 reichten in Brandenburg bereits knapp 13 Einwohner, um statistisch einen Punkt zu erhalten. In Mecklenburg-Vorpommern waren es 14 Einwohner, in Bremen gut 15. In Berlin lag das Verhältnis der Punkte zu den Einwohnern dagegen bei 1:31. Der Bundesdurchschnitt des Verhältniswertes betrug 1:19.

In großen Städten wie Berlin und Hamburg gibt es – rechnerisch – weniger Verkehrsverstöße bezogen auf die Zahl der Einwohner, weil dort auch der Motorisierungsgrad geringer ist als in Flächenländern. Von 1000 Einwohnern in Brandenburg hatten im Jahr 2015 statistisch 545 ein Auto; in Berlin lag der Wert dagegen bei nur 335. In Flächenländern werden zudem mehr Kilometer gefahren – und das Rasen auf Landstraßen ist einfacher als in der Stadt.

Die meisten Punkte fuhren sich Temposünder ein. Doch auch hier ist ein Vergleich schwierig: Je intensiver kontrolliert wird, desto mehr Verstöße werden erfasst. Beim „Blitzermarathon“ am vergangenen Mittwoch erwischten die Brandenburger Polizei und das Ordnungsamt in Potsdam und der näheren Umgebung insgesamt mehr als 1100 Raser, obwohl die Kontrollen angekündigt worden waren. Berlin hatte sich an der früher bundesweiten Aktion nicht beteiligt.

In Brandenburg starben 2016 insgesamt 35 Menschen bei Unfällen mit überhöhter Geschwindigkeit, ein Jahr zuvor waren es sogar 75. In Berlin ist die „nicht angepasste Geschwindigkeit“ dagegen nur die dritthäufigste Unfallursache. Hauptgründe sind Fehler beim Abbiegen sowie das Nichtbeachten der Vorfahrt. Allerdings ist die Zahl der „Tempo-Unfälle“ im vergangenen Jahr, wie berichtet, um elf Prozent gestiegen.

Vergleicht man die Zahl der Verkehrstoten mit der Einwohnerzahl, schneidet Brandenburg auch schlecht ab: Im vergangenen Jahr gab es – bezogen auf je eine Million Einwohner – 49 Tote. In Sachsen-Anhalt waren es 59, in Mecklenburg-Vorpommern 55 Tote. Berlin und Hamburg kamen auf jeweils 16 Tote.

Auch wenn man die Punkte in Flensburg mit der Zahl der Führerscheinbesitzer vergleicht, ändert sich an der Reihenfolge nichts: Mit einem Strafpunkt auf gut fünf Fahrer führt Brandenburg auch hier die Negativliste an. In Bremen und Mecklenburg-Vorpommern waren es jeweils knapp sechs Fahrer.

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