Bildung in Berlin : Zahl der Widersprüche gegen Schulplatzvergabe steigt täglich

Viele Berliner Grundschulen können aus Platzmangel nicht alle Kinder aus ihrem Einzugsgebiet aufnehmen. Besonders betroffen ist das kinderreiche Pankow. Allein dort wehren sich schon 130 Familien.

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Einen Platz in der zuständigen Schule zu bekommen, ist für Erstklässler zurzeit nicht selbstverständlich.
Einen Platz in der zuständigen Schule zu bekommen, ist für Erstklässler zurzeit nicht selbstverständlich.Foto: dpa

Die Schulplatzvergabe unter den 24.500 Kindern, die 2017 in Berlin eingeschult werden, beschäftigt die Bezirke wohl noch eine Weile: Täglich steigt die Zahl der Widersprüche gegen die Bescheide, weil viele Schulen nicht alle Kinder aus ihrem Einzugsgebiet aufnehmen können. Weitere Schulen mussten sogar Geschwisterkinder ablehnen, die nicht im Einzugsgebiet wohnen.

Besonders betroffen ist das kinderreiche Pankow. „Bisher sind 126 Widersprüche gegen die Bescheide zur Schulplatzvergabe eingegangen“, teilte Bildungsstadtrat Torsten Kühne (CDU) mit. Da die Widerspruchsfrist noch bis zum 14. Juni läuft, rechnet Kühne mit weiteren Eltern, die sich ihren Wunschplatz erstreiten wollen. In Lichtenberg wurden bis Mittwoch knapp 40 Widersprüche gezählt. Hier läuft die Frist sogar noch bis zum 21. Juni, so dass die Zahl noch erheblich steigen könnte. Aus anderen Bezirken gab es keine Rückmeldungen.

Dann muss ein Kind jeden Morgen an "seiner" Schule vorbeilaufen

Manche Eltern legen Widerspruch ein, weil für sie die Platzvergabe nicht nachvollziehbar ist – etwa wenn ein weiter entfernt wohnendes Kind einen Platz bekommen hat, ihr eigenes Kind aber nicht, obwohl es gegenüber der Wunschschule wohnt. Kühne erläutert, wie es dazu kommen kann: Entscheidend ist nämlich nicht die Entfernung zur gewünschten Einzugsgebietsschule, sondern zur nächsten „aufnahmefähigen Schule“. Diese Entfernung wird mit Hilfe des Online-Portals der Verkehrsinformationszentrale ermittelt.

So kann es passieren, dass ein Kind jeden Morgen an „seiner“ Schule vorbeilaufen und bis zu zwei Kilometer zur „aufnahmefähigen“ Schule laufen muss. Vor dieser misslichen Lage schützt nur ein Geschwisterkind an der Einzugsgebietsschule.

Schulrechtsanwalt rechnet mit mehr Widersprüchen

Wie berichtet, gibt es dieses Jahr in sechs Bezirken Schulen, die nicht alle Kinder aus dem Einzugsgebiet aufnehmen können. Der auf Schulrecht spezialisierte Rechtsanwalt Olaf Werner sagte auf Anfrage, er rechne aufgrund der bisherigen Elternanfragen mit mehr Widersprüchen als in den Vorjahren. Pankow zählte 2015 knapp 260 Widersprüche, 2016 waren es 160.

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