Bildung : Schulsenator will junge Lehrer wieder verbeamten

Bildungssenator Jürgen Zöllner versucht, die Abwanderung von Junglehrern in andere Bundesländer zu stoppen und Berlin attraktiver zu machen. Die SPD unterstützt Vorschlag, alle anderen Parteien sind dagegen.

Ulrich Zawatka-Gerlach

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) will die Abwanderung von Lehrern in andere Bundesländer verhindern und überlegt deshalb, junge Lehrkräfte wieder zu verbeamten. Das wäre ein Tabubruch, denn 2003 hatte der rot-rote Senat beschlossen, frisch ausgebildete Pädagogen nur noch als Angestellte in den Schuldienst zu übernehmen. „Das war auch richtig so“, sagt der SPD-Bildungsexperte Karlheinz Nolte. „Aber andere Länder nutzen dies aus, um unsere gut ausgebildeten Lehrer vom Markt zu fischen.“

Bis 2007 stellte Berlin junge Lehrkräfte sogar nur auf Zweidrittelstellen ein. Aus Kostengründen. Außerdem blieb der Einstellungskorridor bis heute schmal und die Bezahlung liegt weit hinter dem Niveau anderer Länder zurück, seien es Hamburg, Baden-Württemberg, Niedersachsen oder Hessen. Allein im Schuljahr 2007/08 kehrten etwa 200 junge Berliner nach dem 1. Staatsexamen der Stadt den Rücken. Fachlehrer, vor allem in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaft und Informatik, werden in Deutschland allmählich Mangelware. Das führt zu Abwerbungskampagnen – und der Beamtenstatus lockt. In Hessen werden Lehrer sogar rückwirkend bis zum 50. Lebensjahr und in Nordrhein-Westfalen bis 45 Jahre verbeamtet.

Schon in den Sommerferien hatte der SPD-Landes- und Fraktionschef Michael Müller einen Versuchsballon gestartet. Jetzt legt Senator Zöllner nach und es sieht so aus, als wenn die Verbeamtung von Lehrern in der SPD-Abgeordnetenhausfraktion mehrheitsfähig ist. „Ein Beamter im Schuldienst ist nicht nur unkündbar, sondern verdient netto 300 bis 600 Euro mehr im Monat“, gibt Nolte zu bedenken. Der Staat spart vorerst auch, denn er muss keine Sozialversicherungsabgaben entrichten. Allerdings wirken sich später die Pensionen negativ auf den Etat aus. Dafür müsste frühzeitig eine Rücklage eingerichtet werden.

Der Koalitionspartner der Sozialdemokraten hält davon – nichts. Die Verbeamtung der Lehrer sei eine „kurzsichtige Idee“, kritisiert der Abgeordnete Steffen Zillich (Linke). Beamte müssten hoheitliche Aufgaben erfüllen, bei der Polizei, Feuerwehr, Justiz und in den Finanzämtern. Der Lehrerberuf zähle nicht dazu. Um junge Absolventen in Berlin zu halten, sollten die Arbeitsbedingungen an den Schulen erleichtert und die Bezahlung verbessert werden. Die Linke, so Zillich, mache einen „Zickzack-Kurs“ jedenfalls nicht mit. Damit spielt er darauf an, dass der Senat seit der letzten großen Verbeamtungswelle (als 1996 im Ostteil der Stadt 6600 Lehrer in den Staatsdienst kamen) seine Linie mehrfach verändert hat. Mal für, mal gegen den Beamtenstatus. Bis dann 2003 beschlossen wurde, Lehrer nur noch anzustellen.

Auch die Opposition will der SPD nicht folgen. CDU, Grüne und FDP sprechen sich einhellig dafür aus, die Schulen in Berlin für junge Lehrkräfte auf andere Weise attraktiv und überregional konkurrenzfähig zu machen. „Wir brauchen einen wesentlich höheren Angestelltentarif“, fordert der CDU-Mann Sascha Steuer. Die bildungspolitische Sprecherin der FDP, Mieke Senftleben, erneuert den Vorschlag ihrer Partei, jedem Junglehrer einen monatlichen Zuschlag von 300 Euro zu gewähren. Ansonsten hofft Senftleben, „dass sich die anderen Länder, vor allem im Westen, irgendwann an die Berliner Regelung anpassen – und nicht umgekehrt“.

Auch der Grünen-Politiker Öczan Mutlu nennt die Verbeamtung von Lehrer „einen alten Zopf“. Vordringlich sei es, die Studienbedingungen zu verbessern, mehr Referendariatsplätze einzurichten, junge Lehrer besser zu betreuen und die Arbeitszeit der Lehrkräfte neu zu regeln. Zudem müssten sie besser bezahlt werden. Die neu entfachte Diskussion wird mit dem neuen Schuljahr, das in einer Woche beginnt, auch im Abgeordnetenhaus und in den Parlamentsfraktionen fortgesetzt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben