• Bildungsmisere: Dramatische Töne vor den Ferien - Böger warnt vor Vertrauensverlust in die Schule

Berlin : Bildungsmisere: Dramatische Töne vor den Ferien - Böger warnt vor Vertrauensverlust in die Schule

Susanne Vieth-Entus

Mit überraschender Offenheit hat Schulsenator Klaus Böger (SPD) vor den Folgen der Einsparungen im Schulwesen gewarnt. Die Einrichtungen könnten dadurch derart geschädigt werden, "dass das noch bestehende Vertrauen in die öffentliche Bildung dauerhaft zerstört wird", mahnte der Politiker gestern anlässlich des "Forums Bildung", das zurzeit auf Initiative des Bundesbildungsministeriums in Berlin stattfindet. Die Schule dürfe im Verteilungskampf "nicht weiter allein gelassen werden". Auch die "ungute Altersstruktur" der Pädagogen durch das Hin und Her bei der Einstellungspolitik führe "letztlich zur Qualitätsminderung im Lehrerberuf".

Die Rede fügt sich ein in die aktuellen Szenarien an vielen Schulen angesichts des hohen Durchschnittsalters des Kollegiums, des Lehrermangels und der massenhaften Umsetzung von Lehrern zum neuen Schuljahr. Hintergrund der Personalverschiebung ist der Geldmangel. Da Böger keine Mittel hat, um rund 180 fehlende Oberschullehrer einzustellen, muss er von den Grundschulen Pädagogen abziehen, die eine Lehrbefähigung für die Oberschulen haben. Ausgerechnet die überzähligen Ost-Pädagogen können aber nicht an die Oberschulen versetzt werden, da sie oftmals nur eine Anerkennung als Lehrer unterer Klassen (LuK-Lehrer) haben. Dies bedeutet, dass sie an West-Grundschulen versetzt werden müssen, damit diese wiederum Lehrer abgeben können. Zusätzlich müssen noch Lehrer aus Oberschulen an Gymnasien versetzt werden.

Erwartungsgemäß sind die Schulen empört, weil sie funktionierende Kollegien auseinander reißen müssen. Der Bezirkselternausschuss Kreuzberg befürchtet einen "riesigen Rückschritt" für die Ausländerintegration, da LuK-Lehrer ohne Erfahrung mit Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache seien. Fassungslos sind aber auch Oberschulen, die begehrte Fachlehrer abgeben müssen.

Dies weiß auch Böger, aber ihm sind aufgrund der Etat-Vorgaben die Hände gebunden. Während er bisher meist den Eindruck erweckte, es käme nur auf die intelligente Verteilung der vorhandenen Ressourcen, auf Erfindergeist und pädagogische Kreativität, an, räumte er in seiner gestrigen Rede ein, "irgendwann seien alle diese Möglichkeiten" erschöpft. Er mahnte an, das massenhafte Scheitern von Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache sei ökonomisch gesehen eine "Verschleuderung" und menschlich eine "Katastrofe", weshalb es einer neuen Bildungskampagne für diese zehntausende Schüler bedürfe.

Damit die Horrorszenarien dennoch nicht überhand nehmen, will Böger am Mittwoch seinen neuen "starken Mann" vorführen, Landesschulamtsleiter Ludger Pieper, der Schlimmstes verhindern soll: Das nächste Schuljahr soll nicht mit Notstundenplänen beginnen.

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