Berlin : Bitte melde dich

Neue Werbekampagne: Wer herzieht, soll auch offiziell seine Wohnung verlegen.

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Berlin – Die hoch verschuldete Hauptstadt will eine neue Einkommensquelle erschließen: Neuberliner. Studenten und andere Zuzügler sollen Geld in die Landeskasse spülen, indem sie ihren Erstwohnsitz in Berlin anmelden. Die Landeswerber von „be Berlin“ stellten dazu am Donnerstag die Kampagne „Berlin, ich melde mich“ vor. Mit Plakaten, Werbespots und anderen Mitteln will man Studenten, zugezogene Arbeitskräfte und andere Zuwanderer zur Anmeldung motivieren. So will Berlin auch einen Überblick bekommen, wie viele Menschen tatsächlich in der Stadt leben, um politisch besser planen zu können, sagte Senatssprecher Richard Meng.

Jeder Einwohner bedeutet Geld: Pro Kopf bekommt das Land etwa 2500 Euro aus dem Länderfinanzausgleich. Nachdem im Frühjahr die Ergebnisse des Mikrozensus offenbart hatten, dass Berlin rund 180 000 Einwohner weniger hat als gedacht, erhält das Land künftig 480 Millionen Euro weniger aus dem Ausgleichstopf. An den Ergebnissen des Mikrozensus zweifelt Meng. Berlin sei eine wachsende Stadt. Im vergangenen Jahr seien 50 000 Neuberliner hinzugekommen – doch das sei nur die Zahl derer, die sich angemeldet hätten. Der Senatssprecher sieht ein „Potenzial von einigen 10 000 Menschen“, die in Berlin leben, deren Hauptwohnsitz aber woanders ist.

Ein Teil davon sind Studenten. Laut Jürgen Morgenstern vom Berliner Studentenwerk beginnen jedes Jahr etwa 31 000 junge Menschen ein Studium in Berlin. Davon seien zwei Drittel Neuberliner, wovon sich wiederum nur ein Drittel mit Erstwohnsitz melde. Zu einer Erhöhung der Anmeldungen würde nach Ansicht Morgensterns eine Erhöhung des Begrüßungsgeldes führen. Das hatte der Senat zum vergangenen Wintersemester von 100 auf 50 Euro gesenkt. Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) will es wieder erhöhen. Der Wissenschaftsausschuss hatte sich jedoch gegen die Aufstockung ausgesprochen. Trotz weniger Begrüßungsgeld hätten sich nicht weniger Studierende angemeldet, erklärte der SPD-Politiker Lars Oberg damals. 2011 hatten 14 212 Studenten den Bonus beantragt, 2012 waren es 15 718, Zahlen für das laufende Jahr liegen noch nicht vor. Die Entscheidung steht aus. Christoph Spangenberg

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