Berlin : Bitte nicht lächeln

Nur Ärger mit dem neuen Reisepass: Viele Fotos werden abgelehnt, der Speicherchip geht leicht kaputt

Rainer W. During

Die neuen biometrischen Pässe werden zunehmend zum Problem – für Bürger und Behörden. Zum einen gibt es Ärger wegen der Passbilder, über deren Aussehen es in den Ämtern verschiedene Ansichten gibt. Zum anderen gibt es Schwierigkeiten mit dem Chip in den neuen Pässen, auf dem künftig Fingerabdrücke abgespeichert werden sollen. Er kann leicht beschädigt werden.

59 Euro kostet der neue Pass, der seit dem 1. November auf den Bürgerämtern ausgegeben wird – Laufereien inklusive. Denn viele Antragsteller werden von den Ämtern fortgeschickt, weil ihre Passbilder nicht den Anforderungen entsprechen (siehe Kasten). Nicht einmal die Aufnahmen aus Automaten, die in den Bürgerämtern stehen, genügen den Anforderungen, wie eine Frau in Friedrichshain erfahren musste. Sie ließ Fotos in eiAutomaten im Bürgeramt an der Frankfurter Allee machen – und wurde von der Sachbearbeiterin fortgeschickt. „Absolut ungeeignet“, lautete das Urteil der Beamtin. Im Übrigen würden sieben von zehn Antragsteller abgewiesen, teilte man der erbosten Frau mit. Dass es sich um keinen Einzelfall handelte, bestätigt Peter Ellenstein in der nahe gelegenen Foto-Porst-Filiale. Dabei habe es noch nicht einmal Informationen von den Behörden gegeben, wie die Aufnahmen anzufertigen seien.

Die Kunden sind „extrem verärgert“, sagt Roman Kowalzek von Foto Meyer in der Schöneberger Welserstraße. Die Behörden seien zudem äußerst pingelig. So berichtet er von einer Frau, die vom Amt gleich zweimal abgewiesen wurde – obwohl der Schiefstand ihrer Augen anatomisch bedingt ist. „Es gibt nicht unerhebliche Probleme“, bestätigt Neuköllns Bürgeramtschef Torsten Vogel. Er schätzt, dass 30 bis 40 Prozent der Antragsteller abgewiesen werden. Diese Zahlen bestätigt sein Amtskollege Rainer Rinner in Mitte. Nach Gesprächen mit den umliegenden Fotografen hat sich die Fehlerquote deutlich reduziert, so Amtsleiterin Roswitha Krasemann in Steglitz-Zehlendorf. In der Bundesdruckerei werden die mit den Anträgen eingereichten Fotos nicht noch einmal geprüft. „Für die Auswahl sind die Bürgerämter zuständig“, sagt Sprecherin Iris Köpke. Einheitlich streng wird die Bildauswahl aber nicht gehandhabt. In Spandau wurden auch Fotos akzeptiert, an denen die Behördenmitarbeiter selbst Zweifel hatten. Sie ließen sich dann von den Antragstellern bestätigen, darauf hingewiesen zu haben, dass es an der Grenze Probleme geben könne.

Wird der neue Pass nicht pfleglich behandelt, kann der Chip, auf dem ab 2007 auch die Fingerabdrücke des Besitzers gespeichert werden, leicht kaputt gehen. Dazu kann es schon reichen, sich auf den Pass zu setzen. Dennoch bleibe er auch so ein gültiges Reisedokument, heißt es beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie. Wie aber die Einreisebeamten in den USA, die besonders penibel prüfen, auf einen defekten Chip reagieren werden, bleibt abzuwarten.

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