Berlin : Bleibt zu

Bernd Matthies

Der Terminkalender ist der Zentralbereich unserer Persönlichkeit. Er erfasst alles, hält alles für die Nachwelt fest, auch das, was ihr besser erspart geblieben wäre. Ob einer ein haltloser Workaholic ist, ein fauler Sack oder irgendwas Sozialverträgliches dazwischen: Die Auswertung seines Terminkalenders macht es deutlich.

Deshalb behält jeder gern für sich, was drinsteht. Klaus Wowereit beispielsweise hat wohl ziemlich erbost reagiert, als ein Journalist mit Hilfe des Informationsfreiheitsgesetzes einen Blick in seinen Kalender werfen wollte. Na, sagten viele, wer weiß, was da drinsteht. Rumhängen bei Champagner und leiser Musik? Entspannte Lunch-Verabredungen im Borchardt statt Bretterbohren in pausenlosen Sitzungen rund um die Uhr?

Das Oberverwaltungsgericht hat nun entschieden, dass Wowereits Kalender der Öffentlichkeit verschlossen bleibt. Und das ist auch, ähm, gut so. Messen wir ihn an der Qualität seiner Arbeit – und nicht daran, wie er sie organisiert.

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