Berlin : Blitz und Donner

Christina Tilmann

über die Kraft des Neuanfangs bei der Topographie Dunkle Wolken über der Wilhelmstraße: Ein heftiges Gewitter bahnt sich an. Allein: Es wird ein reinigender Blitz. Er hat zwar mit einem Schlag drei schon bestehende Treppentürme des Zumthor-Baus dem Erdboden gleich gemacht, er hat auch nebenbei 15 Millionen Euro verbrannt, doch Tabula rasa ist auch ein Weg zum längst fälligen Neuanfang. Ein Blitz wird der Neubau des Dokumentationszentrums nicht mehr werden, wie Libeskinds Jüdisches Museum. Auch kein vom Wind bewegtes Wellenfeld wie Eisenmans Holocaust-Mahnmal. Überhaupt: Dass sich nach Zumthors Schlappe noch ein Star-Architekt bereit finden wird, den Bau anzupacken, ist kaum wahrscheinlich. Allein: Das braucht es auch gar nicht. „Die Topographie des Terrors hat gegenüber dem Jüdischen Museum und dem Holocaust-Mahnmal den Vorteil, dass sie mit einem historischen Ort aufwarten kann“, hat Andreas Nachama gesagt. Dieser authenische Ort liegt heute noch so plan und öde da, wie Weltkrieg und Zerstörung ihn hinterließen. Es wird Aufgabe des neuen Architekten sein, ihn auch so zu bewahren.

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