Berlin : Bloß nicht baden gehen

Ein Pächter ist abgehauen, ein anderer will weitermachen

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Als die Bäderbetriebe vor zwei Jahren erstmals als Verpächter auftraten, machten sie gleich schlechte Erfahrungen. Der erste Pächter, Jürgen Strahl, der im Sommer 2001 das Freibad am Humboldthain übernommen hatte, machte sich ein halbes Jahr später aus dem Staub. Zurück ließ er 30000 Euro Schulden. Bis heute fehlt von ihm jede Spur. Vergangenes Jahr betrieben die Bäderbetriebe das Freibad selbst. Auch dieses Jahr wird es so sein.

Dass man ein Freibad auch kostendeckend betreiben kann, hat der Unternehmer Richard Grunke vergangenes Jahr bewiesen. Der Chef eines Partyservice hatte die Bäder Lübars, Tegel und Plötzensee gepachtet. Jetzt hat er erneut seine Bewerbungsunterlagen eingereicht. „Vergangenes Jahr konnte ich die Bäder nur für eine Saison pachten“, sagt Grunke, „da lohnt es sich nicht, großartig zu investieren.“ Mit der Aussicht auf drei Jahre will er Spiellandschaften, Wassertrampolins und so genannte „AirKicks“ bauen, mit denen man sich durch die Luft ins Wasser katapultieren lässt. Wichtig ist für ihn, dass er flexibel auf die Wünsche der Badegäste reagieren kann – seine Bäder zum Beispiel an einem heißen Sommertag spontan länger öffnen, an kühleren Tagen früher schließen kann. Auch sieht er nicht ein, warum man nicht schon um 7 Uhr morgens die Schwimmer einlassen sollte. „Denen kann man auch noch ein Frühstück servieren.“ Wer um 10 Uhr komme, habe in der Regel schon sein Brötchen gegessen. Deshalb macht für die Pacht auch nur Sinn, wenn Badebetrieb und Gastronomie „in einer Hand“ seien.

Überraschungen habe er im vergangenen Jahr erlebt, sagt er. Nie hätte er gedacht, dass die Kosten „im Umfeld“ so teuer sind: das Abwasser, Grundwasser, die Reinigungskosten, über 30 Posten kämen zusammen. Die Straßenreinigung zum Beispiel verschlinge bei einem Grundstück wie Lübars mit rund 92000 Quadratmetern viel Geld. Oder die Bezahlung der Bademeister. „Die sind von den Bäderbetrieben BAT-Gehalt gewohnt. Das muss man erstmal erwirtschaften.“ clk

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