Berlin : Blütentraum in Zartrosa

Überwältigende Frühlings-Pracht in den „Gärten der Welt“ in Marzahn Nicht nur für Touristen, auch für West-Berliner ist der Park eine Entdeckung

Heidemarie Mazuhn

Wer im Japanischen Garten „Hanami“ erleben will, sollte sich beeilen. Von o-hanami, was so viel heißt wie Blüten schauen, leitet sich die japanische Bezeichnung für das schnell vergängliche Wunder der Kirschblüte ab, das in Japan alljährlich gefeiert wird. Im Erholungspark Marzahn gibt es zu Ostern zwar kein „Hanami“-Fest, dafür aber mehr als genug von dem überwältigenden Blütenwunder zu bestaunen, das für Japaner der Inbegriff der Schönheit ist.

Im Japanischen „Garten des zusammenfließenden Wassers“ – einem der fünf Marzahner „Gärten der Welt“ – verwandelt aktuell die Zierkirschensorte Prunus ,Accolade‘ das hügelige Gelände in eine zartrosa Traumlandschaft. Geöffnet wird das Tor zu der fernöstlichen Landschaft, die der Tokioter Zen-Priester Shunmyo Masuno 2003 anlegte, täglich ab 12 Uhr.

Das junge Pärchen aus Wien war von der „geborgten Landschaft“, wie das sanfte Wiesenareal hinter dem Japanischen Garten heißt, an diesem sonnigen Frühlingstag begeistert. Über 70 original japanische Zierkirschen präsentieren sich dort unter strahlend blauem Himmel. Schäumend weiß blüht da die Yoshino- Kirsche, reinrosa und ungefüllt die Scharlachkirsche und schneeweiß gefüllt die Vogelkirsche – fast wie eine Schneelandschaft wirkt der Blütentraum.

Für viele ist der 1987 eröffnete Garten immer noch eine Entdeckung. Nicht nur für ausländische Touristen, die nur zweieinhalb Prozent ausmachen. Auch für die West-Berliner. Die stellen nur ein Drittel der Besucher; zwei Drittel, so schätzt die Pressesprecherin Bettina Riese, kommen immer noch aus den Ost-Bezirken. Brandenburger machen etwa 8,4 Prozent der Besucher aus, und fünfzehn Prozent kommen aus anderen Bundesländern.

Teresa Sautter hat es aus Charlottenburg nach Marzahn gezogen – nicht als Besucherin, sondern beruflich. Deshalb wohnt sie jetzt auch dort. Im Japanischen Garten sorgt die junge Frau als Gärtnerin täglich dafür, dass die exotische Anlage so bewahrt bleibt, wie sie sie mit aufbauen half. Landschaftsbau hat sie gelernt; mit Steinen etwas gestalten, das ist ihr Traumjob. Im Japanischen „Garten des zusammenfließenden Wassers“ kennt sie inzwischen auch jedes grüne Hälmchen. Sie schwärmt von zartlila Funkien, zyklamfarbenem Buschklee, winzig weiß blühenden „Dickmännchen“ und den 250 Azaleen, die bald wieder blühen. „Hummeln und Bienen sirren schon herum“, freut sich Teresa Sautter über die aufwachende Natur in und um „ihren“ Garten.

Im Japanischen Garten die Pracht der Kirschblüten, wenige Gehminuten entfernt im chinesischen „Garten des wiedergewonnenen Mondes“ ein „kaiserliches“ Blütenwunder – wundervoll blühende Magnolien, die in China einst als Bäume des Kaisers galten. Im Erholungspark Marzahn kann sie jetzt jeder bewundern – und noch vieles dazu mehr. Frühlingshaft blau, weiß und gelb blüht es dort in allen Ecken und Winkeln, an Wegen und auf den saftig grünen Liegewiesen, auf deren malerisch verteiltem Mobiliar Ostern sicher die Plätze an der Sonne heiß begehrt sind.

Erholungspark Marzahn: Eingänge Eisenacher Straße (S 7 Bhf. Marzahn/ Bus 195, U-Bhf. Hellersdorf/Bus 195; Öffnungszeiten: täglich ab 9 Uhr, in den Sommermonaten bis 20 Uhr, im April bis 19 Uhr. Japanischer, Orientalischer und Koreanischer „Seouler Garten“ montags bis freitags ab 12 Uhr, am Wochenende und feiertags ab 9 Uhr. Eintritt: 2 Euro, erm. 1 Euro.

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