Berlin : Böger gibt Nachhilfe

Bildungssenator lädt Schulleiter zu Gesprächen über neues Schulgesetz. Real- und Hauptschulen fühlen sich benachteiligt

Susanne Vieth-Entus

An Berlins Schulen steigt die Verunsicherung und Empörung über die Auswirkungen des neuen Schulgesetzes. Jüngstes Beispiel: Die abrupte Abschaffung der Aufbauklassen für Realschüler. Bildungssenator Klaus Böger (SPD) will jetzt die Wogen glätten, indem er mit seinem Staatssekretär einen Sitzungsmarathon mit allen Schulleitern absolviert. Außerdem hat er renommierte Schulleiter herangezogen, die sein Haus beraten sollen.

Grund für die Irritationen ist die Art und Weise, wie die Senatsverwaltung das Schulgesetz umzusetzen beginnt. So konnte das Gottfried-Keller-Gymnasium nicht damit rechnen, dass seine Aufbauklasse für Realschüler sofort auslaufen würde. Zwar sind die Aufbauklassen im neuen Schulgesetz nicht ausdrücklich erwähnt. Aber das Gesetz verfolgt als Ganzes das Ziel, die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen zu erhöhen. Das Gegenteil wird aber erreicht.

Zudem empört es die Schule , dass sie erst jetzt aus einem routinemäßigen Informationsbrief von der „Neuerung“ erfuhr – da war der Tag der offenen Tür schon gelaufen, an dem wie immer für die Aufbauklasse geworben wurde. „Die Arroganz der Schulbürokraten ist kaum zu übertreffen“, ärgert sich FDP-Bildungspolitikerin Mieke Senftleben.

Das Gottfried-Keller-Gymnasium ist nur ein Beispiel von vielen. Auch sonst greift die Ratlosigkeit um sich. Völlig unklar ist etwa, wie es möglich sein soll, dass Gesamtschulen das Abitur nach zwölf und 13 Jahren anbieten. Bundesweit gibt es dafür kein Vorbild. Ein Fachmann der Schulverwaltung weist zerknirscht darauf hin, dass die Koalition diese „abenteuerliche“ Variante wollte, damit die Gesamtschulen mit den Gymnasien konkurrieren können. Die meisten Gesamtschulen haben aber zu wenig Oberschüler, um sie in einen langsamen und einen schnellen Abiturzug aufteilen zu können.

Dass den Gesamtschulen die Option „zwölf Jahre“ offen gehalten werden soll, führt dazu, dass man ihnen während der Mittelstufe mehr Unterricht anbieten muss. Auf diese Weise soll das wegfallende Jahr kompensiert werden. Dies wiederum verärgert Real- und Hauptschulen. Bei ihnen bleibt alles beim Alten, sie bekommen also keinen zusätzlichen Unterricht, obwohl sie es nötig hätten und beim neuen mittleren Bildungsabschluss mit Gymnasiasten und Gesamtschülern konkurrieren müssen.

Die Lage der Hauptschulen ist ohnehin schwierig genug. Sicher wird Böger in den Beratungen der nächsten Woche auch erklären müssen, warum er ausgerechnet den gebeutelten Hauptschulen und anderen Brennpunktschulen ihre Schulstationen wegnehmen will, um die Gelder in die Grundschulen umzuleiten.

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