Berlin : Böger rechnet mit sinkenden Hortbeiträgen

Verlängerte Betreuungszeiten an den Grundschulen entlasten Eltern – selbst bei Hitzefrei bleiben die Kinder in der Schule

Susanne Vieth-Entus

Gute Nachrichten für Eltern: Ab Sommer 2005 werden alle Grundschulen zwischen 7.30 und 13.30 Uhr für die Kinder da sein. Selbst bei Hitzefrei werden sie nicht nach Hause geschickt, sondern müssen von den Lehrern betreut werden. Wer darüber hinaus einen Hort braucht, kann sich auf sinkende Elterngebühren freuen: Da die Betreuungszeit künftig erst nach 13.30 Uhr kostenpflichtig ist, sei es „ein Akt der Gerechtigkeit, die Hortbeiträge zu senken“, sagte Bildungssenator Klaus Böger (SPD) gestern, als er die Pläne für das nächste Schuljahr vorstellte. Die Entscheidung über die Beiträge liege aber beim Parlament.

Die flächendeckende „verlässliche Halbtagsgrundschule“ ist nicht die einzige Neuerung, die auf Eltern, Lehrer und Erzieher zukommt: So wird die Hortbetreuung in die Zuständigkeit der Schulen übertragen. Mancherorts scheint das derzeit unmöglich. Denn viele Schulen haben bislang nicht genügend Räume, um die Hortbetreuung anbieten zu können – und das, obwohl im November die Anmeldungen für die Erstklässler anstehen.

„In jedem Bezirk gibt es zwei bis drei Schulen mit Problemen“, bestätigte gestern die zuständige Oberschulrätin Susanne Pape. Unter Umständen müssten sich Eltern mit Hortbedarf eine andere Schule suchen. Senator Böger ist dennoch zuversichtlich, dass sich die Lage entspannt, sobald alle Gelder aus dem Ganztagsprogramm der Bundesregierung geflossen sind. „Ab 2007/08 wird es überall Freizeiträume und ein vernünftiges Catering geben“, kündigte Böger an.

In einem Brief an alle Eltern von Schulanfängern will Böger der zunehmenden Kritik begegnen. Aus diesem Brief geht auch hervor, welche Betreuungsvarianten es geben soll: Bald wird es möglich sein, die Kinder von 6 bis 18 Uhr an den Schulen zu belassen, wenn man aus beruflichen oder sozialen Gründen einen entsprechenden Bedarf nachweisen kann. Kostenpflichtig ist nur der Zeitraum vor 7.30 und ab 13.30 Uhr.

Wer sein Kind nur zum Unterricht in der Schule schicken möchte, wird nicht gezwungen, die verlässliche Kernzeit auszuschöpfen. Eltern können ihr Kind also wie bisher auch schon nach der dritten oder vierten Stunde abholen.

Probleme bringt die Neuregelung vor allem für die Schülerläden. Für sie rechnet es sich nicht, Kinder nur von 13.30 bis 16 oder 17 Uhr zu betreuen. Um zu überleben, müssten sie mit den Schulen kooperieren. Aber auch dann wird es schwierig, denn die Personalzuweisung ändert sich. Die grüne Kita-Expertin Elfi Jantzen und der Dachverband der Kinder- und Schülerläden (Daks) rechneten gestern vor, dass sich eine Erzieherin künftig um 34 Kinder kümmern muss. Bisher waren es 22. „Wir sind entsetzt“, so Norbert Bender vom Daks. Er geht davon aus, dass viele Schülerläden aufgeben müssen.

„Nicht alle kleinen Schülerläden werden überleben“, gibt auch Susanne Pape zu. Dies sei voraussichtlich die Konsequenz aus der Verlängerung der Betreuungszeit an den Grundschulen. Allerdings wies sie die Personalberechnungen von Daks und den Grünen zurück. „Es bleibt bei 22 Kindern pro Erzieherin“, so Pape.

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