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Bombenfund in Berlin-Mitte : 50-Kilo-Blindgänger erfolgreich entschärft

Am Neubau des Instituts für Biologie der Humboldt-Universität ist eine Fliegerbombe entdeckt worden. Am Mittwochvormittag wurde sie unschädlich gemacht.

von , und Nàndor Hulverscheidt
Zwei Kampfmittelräumer wuchten die 50-Kilo-Bombe nach der Entschärfung aus der Baugrube.
Zwei Kampfmittelräumer wuchten die 50-Kilo-Bombe nach der Entschärfung aus der Baugrube.Foto: Nándor Hulverscheidt

In Berlin-Mitte blieben wegen der Entschärfung einer Weltkriegsbombe auf dem Gelände der Humboldt-Universität am Morgen mehrere Straßen gesperrt. Die 50-Kilogramm-Fliegerbombe war nach Angaben einer Polizeisprecherin am Dienstagnachmittag bei Bauarbeiten auf dem Unigelände an der Philippstraße gefunden worden.

Die Bombe wurde in einer nur etwa 1,50 Meter tiefen Baugrube zwischen zwei Neubauten entdeckt. Nach Angaben eines Sprechers der Humboldt-Universität wird dort derzeit die "Grüne Amöbe" (offiziell: Rhoda-Erdmann-Haus) gebaut, das neue Institut für Biologie.

Der Zünder wurde ab 10.30 Uhr von einem Vier-Mann-Team des Kampfmittelräumdienstes unschädlich gemacht. Der Bombenzünder wurde nach Angaben der Polizei mit der sogenannten "Sandstrahl-Wasserschneidetechnik" entfernt und dann vor Ort zur Explosion gebracht. Um 10.55 Uhr wurde das Warnsignal für die Sprengung gegeben. Der Sprengort wurde vorher massiv gedämmt, ein Knall war nicht zu hören. Der Rest der Bombe soll zum Sprengplatz Grunewald gebracht werden, um dort vernichtet zu werden.

Erfolgreich geborgen: die US-Fliegerbombe soll nun am Grunewalder Standort des Kampfmittelräumdienstes kontrolliert gesprengt werden.
Erfolgreich geborgen: die US-Fliegerbombe soll nun am Grunewalder Standort des Kampfmittelräumdienstes kontrolliert gesprengt...Foto: Nándor Hulverscheidt

Um den Fundort der Bombe wurde eine Sperrzone von 250 Metern eingerichtet. Die Hessische Straße und die Hannoversche Straße zwischen Invalidenstraße und Friedrichstraße waren durch die Polizei für den Verkehr gesperrt. Direkt nach der Entschärfung des Zünders wurden die Sperrungen gegen 11 Uhr wieder aufgehoben.

Nach Angaben der Kampfmittelräumer handelt es sich bei der Bombe um ein 50-Kilo-Modell aus amerikanischer Produktion. Sie sei mit einem mechanischen Zünder ausgestattet gewesen. Dies sei der Grund, warum sie so schnell entschärft werden konnte. Nach der Entschärfung wurde der Bombenkörper aus der Grube gehoben und in einen Laster verladen.

Fünf Wohnhäuser wurden evakuiert

Die Bewohner von fünf Häusern an der Ecke Hannoversche Straße/Philippstraße mussten ihre Wohnungen verlassen. Diese Menschen seien bereits am Dienstag informiert worden, hieß es bei der Polizei.

Bei einer Begehung der Wohnhäuser durch die Polizei am Mittwochvormittag wurden noch eine Handvoll Bewohner angetroffen. Sie wurden aus ihren Wohnungen geführt und warteten an den Absperrungen, bis sie zurück durften. Auch Studenten, Universitätsmitarbeiter sowie die Schüler einer nahen Grundschule mussten ihre Arbeitsplätze und Unterrichtsräume verlassen.

Um 9.45 Uhr wurden die Evakuierungsmaßnahmen abgeschlossen. In der Neuen Mensa der Humboldt-Universität und dem Haus der Alten Bischofskonferenz wurden provisorische Sammelstellen für die Evakuierten eingerichtet. Die Räumlichkeiten wurden aber nicht gebraucht.

Nach Auskunft der BVG wurde die Buslinie 142 während der Sperrungen über die Invaliden-, Chaussee- und Torstraße umgeleitet. Bei U- und S-Bahn wurden keine Verkehrseinschränkungen gemeldet. In der Nähe des Bombenfundorts fahren die U6, die S1, S2 und S25 sowie einige Bus- und Straßenbahnlinien.

Senatsverwaltung: Noch etwa 3000 Blindgänger im Boden

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung schätzt, dass noch rund 3000 Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden von Berlin liegen. "Das ist aber nur eine grobe Schätzung, ganz genau weiß das niemand", sagte eine Sprecherin. Man unterhalte ein Archiv mit Luftbildern, um etwaige Fundorte der Blindgänger zu identifizieren.

Unter anderem würden Fotografien aufgekauft werden, die die Besatzungen der britischen und US-amerikanischen Bomber während des Einsatzes über Berlin geschossen haben. "Wenn dann in einer Reihe von Bombenkratern einer fehlt, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass dort ein Blindgänger liegt", sagte eine Sprecherin.

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