Berlin : Brand in Berliner Schule: 25 Schüler nach Feuer ins Krankenhaus gebracht

Steffi Bey,Werner Schmidt

Nach einem Brand in der Gesamtschule An der Marzahner Promenade äußerten gestern Vormittag 25 Schüler schweres Übelsein. Die Feuerwehr brachte die 21 Mädchen und vier Jungen im Alter von 13 bis 15 Jahren sowie eine 34-jährige Lehrerin mit Übelkeit, Kopfschmerzen und Atembeschwerden in verschiedene Krankenhäuser. Dort wurden sie nach der Untersuchung wieder entlassen. Bereits am Montag mittag hatte in einer Toilette der Schule ein Handtuchhalter gebrannt. Verletzt wurde dabei aber niemand. Der Schulleiter geht in beiden Fällen von Brandstiftung aus. Wahrscheinlich stecke ein ehemaliger Schüler, der sich rächen wolle, hinter der Tat, sagte er. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen.

Gegen 8.30 Uhr war die Feuerwehr zu der Schule gerufen worden, weil in einer zum Fotolabor umgebauten Toilette im zweiten Stockwerk ein Papierbehälter aus Plastik brannte. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Feuers wurde das Schulgebäude geräumt. Die Feuerwehr löschte die Flammen, die unter "Kleinbrand" rangierten, saugte dann mit einem Drucklüfter den Rauch ab, nahm aber keine Luftmessungen nach gesundheitsschädlichen Emmissionen vor. Das entsprechende Messfahrzeug steht in Charlottenburg. Bis es von dort den Brandort in Marzahn erreicht hätte, hätten sich eventuell vorhandene gesundheitsschädigende Gase bereits von allein verflüchtigt, sagte ein Feuerwehrbeamter.

Bevor die Feuerwehr gegen 9 Uhr wieder abrückte, fragte der Einsatzleiter noch, ob Schüler oder Schulmitarbeiter über Beschwerden klagten. Das war zu diesem Zeitpunkt nicht der Fall. Erst eine halbe Stunde später klagten die ersten Schüler, deren Klassenraum neben dem Brandort lag, über Übelkeit und Kopfschmerzen. Daraufhin wurde erneut die Feuerwehr benachrichtigt, die zunächst einen Rettungswagen schickte. Als die Zahl derjenigen, die unter anderem über Atem- und Kreislaufbeschwerden litten, stetig stieg, wurde weitere sechs Rettungswagen und ein Notarztwagen nachalarmiert.

Der Schulleiter sagte dem Tagesspiegel, die Schüler hätten die unmittelbar nach dem Brand angebotene medizinische Untersuchung abgelehnt. Erst nachdem die Feuerwehr abgerückt war, seien die ersten Symptome aufgetreten, meinte der Schulleiter verwundert. Ein Feuerwehrbeamter gab seine persönliche Ansicht wieder, wonach unter den Schülern eine Reihe von Simulanten sei, die die Gunst der Stunde nutzten, den übrigen Unterricht ausfallen zu lassen.

Brände in Schulen sind nach Auskunft der Feuerwehr selten. Im November 1994 hatte eine zehn Jahre alte Schülerin in der 5. Grundschule in Weißensee gekokelt und dabei einen Großbrand ausgelöst. Damals erlitten 38 Kinder Rauchvergiftung. Nur durch das umsichtige Verhalten der Lehrer und Schulmitarbeiter war damals eine Katastrophe verhindert worden. Anfang April dieses Jahres brannte es in einem Klassenraum der Clay-Gesamtschule in Rudow. Ursache war hier vermutlich ebenfalls Brandstiftung. Verletzt wurde niemand.

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