Brandenburg : Kampf um die Funkmasten

170 neue Funkmasten werden derzeit in Brandenburg gebaut. Nun regt sich in vielen Gemeinden Widerstand gegen die Planungen - auch in Blumberg, jenem kleinen Ort am östlichen Berliner Ring.

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Keine schöne Aussicht. An der Kirche soll der Funkturm stehen.
Keine schöne Aussicht. An der Kirche soll der Funkturm stehen.Foto: Pricelius

Blumberg – Das kleine Dorf im Norden Brandenburgs erinnert ein wenig an Bullerbü, jenes verschlafene Nest aus Astrid Lindgrens Kinderromanen. Mit dem gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Ahrensfelde direkt am östlichen Berliner Ring hat das im Landkreis Uckermark an der Grenze zu Vorpommern gelegene Blumberg jedenfalls wenig gemein.

In den 700 Jahren seiner Geschichte ist hier wenig passiert, still und friedlich ging es in Blumberg zu, doch damit scheint es erst einmal vorbei zu sein. Schon seit dem vergangenen Jahr regt sich Unmut bei den meisten der 281 Einwohner. Der Grund: Direkt neben der historischen Kirche aus dem 13. Jahrhundert soll im Herbst ein 55 Meter hoher Funkmast aus Stahlbeton gebaut werden.

Er wäre einer von 170 Funkmasten im Land Brandenburg, die ab dem nächsten Jahr ein digitales, abhörsicheres Funknetz bilden sollen, damit Polizei und Rettungskräfte in jedem Winkel des Flächenstaates zu erreichen sind. Es ist Teil eines Netzes, das gerade in vielen Ländern Europas aufgebaut wird. 3,6 Milliarden Euro, etwa die Hälfte der Baukosten für die 4300 Funkstationen in Deutschland, übernimmt der Bund, den Rest bezahlen die Länder. 125 Millionen Euro stehen allein in Brandenburg bereit.

Die Blumberger Kirche ist schon von weitem gut erkennbar. Ihr barocker Turmhelm überragt den Ort in einer Höhe von 45 Metern. Die Kirche mit Fundamenten aus dem 13. Jahrhundert ruht auf gewaltigen Feldsteinen. Gleich 50 Meter daneben liegt eine dreiflügelige imposante Gutshofanlage. Der Gutshof ist einer der schönsten und urwüchsigsten in der Mark. Das Ehepaar Erimar und Mira von der Osten versucht die lange leer stehende Anlage wieder mit Leben zu erfüllen.

Mira von der Osten und Monika Kongatzke, die Postfrau im Dorf und Kirchenälteste im Gemeindekirchenrat, haben Unterschriften gesammelt. 135 wahlberechtigte Bürger haben unterschrieben. „Wir sind ja nicht dagegen, aber warum kann der Funkmast nicht einfach außerhalb der Ortschaft stehen?", sagt Monika Kongatzke. Im drei Kilometer entfernten Luckow stehe ein alter Funkturm, den könne man doch einfach erweitern.

Ingo Decker, der Sprecher des brandenburgischen Innenministeriums, sagt, die Funktürme würden bundesweit in einer Art Bienenwaben-Raster aufgebaut. Abweichungen seien nicht geplant. Der Prototyp koste 120 000 Euro. „Nur in Ausnahmefällen ist es manchmal möglich, einen höheren Funkturm, etwa mit 75 Meter Höhe, zu bauen", sagt Decker. Der sei leistungsstärker und könne deshalb außerhalb des Rasters weitab von Kirchtürmen stehen, doch das werde teurer.

Allerdings regt sich inzwischen in vielen Brandenburger Gemeinden Widerstand gegen die Planungen von Funktürmen nach dem Reißbrettmuster. Zum Beispiel in Bad Belzig oder Reetz. Im Fall Blumbergs haben sich auch beide zuständigen Denkmalschutzbehörden und die Landeskirche gegen den „Betonspargel“ im Dorf ausgesprochen – es half nichts.

Das Dorf gehört zur Großgemeinde Casekow. Und Großgemeinden haben ihre eigenen Spielregeln. In der Gemeinderatssitzung stimmten die meisten Delegierten im September 2010 dafür, dass der ungeliebte Funkturm lieber in Blumberg stehen solle als vor den eigenen Haustüren. Dass der Blumberger Ortsvorsteher dieses Votum auch noch unterstützte, hat viele Blumberger verärgert.

In manchen Bundesländern geht es jedenfalls auch anders. Die baden-württembergische Landesregierung hat bereits seit 2008 eine „gemeinsame Erklärung" unterschrieben und „städtebauliche Belange" wie den Denkmalschutz zur Messlatte erklärt. Ähnliches gilt für Bayern.

In Brandenburg gab es diese Vereinbarungen und Prinzipien nicht. „Mit uns hat noch keiner gesprochen und uns erklärt, warum der Turm nicht außerhalb des Ortes stehen kann," sagt Monika Kongatzke. Dann wäre für die nächsten 700 Jahre vielleicht wieder Ruhe im Dorf.

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