Berlin : Brandenburger Tor: Wirbel unter der Quadriga

Tobias Arbinger

Um die Sanierung des Brandenburger Tors - in der Sanierungsbranche derzeit das Prestigeobjekt - gibt es wieder Wirbel. Einem Pressebericht zufolge befürchtet ein Dresdener Wissenschaftler, dass das 1789 bis 1791 erbaute Tor nach der Restaurierung in einem "kritischeren" Zustand als zuvor sein könnte. Gestern sagte der Dresdner Laserspezialist Günter Wiedemann vom Frauenhofer Institut jedoch, er fühle sich falsch interpretiert. Er habe lediglich Zweifel an dem Vorhaben geäußert, große Flächen des Tores komplett mit Laser zu reinigen. Außerdem habe es ihn gewundert, dass die Restaurationsfirmen keinen Kontakt mit dem Institut aufgenommen hätten, das an mehreren Forschungsvorhaben zur Lasersanierung beteiligt war. Wiedemann nannte das Auftreten des Bauherren, der privaten Stiftung Denkmalschutz, die die Sanierung mit Hilfe von Sponsoren bezahlt "intransparent".

Die Stiftung reagiert aufgebracht auf die Angriffe. Ihr wurden in einem Artikel des Magazins "Der Spiegel" "konzeptionslose Säuberungsversuche" vorgeworfen. Ein Laserreinigungsgerät soll monatelang kaum einsatzfähig gewesen sein. Auf geplante Arbeiten, wie die Sanierung des Fundaments und eine computergestützte Mängelerfassung, sei weitgehend verzichtet worden.

"Unfair und unfachlich" nannte gestern Reinhard Müller von der Stiftung Denkmalschutz die Vorwürfe. Die Lasergeräte seien zuvor schon bei der Sanierung des Zeughauses im Einsatz gewesen. "Sie funktionieren hervorragend." Bei dem, was mit dem Senat an Sanierungsschritten vereinbart wurde, "sind wir im Zeitplan", sagte Müller. Wie bei jeder große Restaurierung sei man allerdings auch beim Brandenburger Tor immer wieder auf neue Probleme gestoßen, "die wir im Griff haben". Die Sprecherin der Senatsbauverwaltung, Petra Reetz, sagte: "Es ist nichts passiert, wozu wir sagen müssten, oh Gott, worauf haben wir uns eingelassen."

Die Sanierung des Tores soll im Februar 2002 weitgehend abgeschlossen sein. Müllers Angaben zufolge könnten sich Arbeiten am Fundament jedoch noch länger hinziehen. Nach einer Schadensbilanz habe man vor etwa drei Monaten mit den Reinigungsarbeiten begonnen, wobei Laser und Mikrotrockenstrahl zum Einsatz gekommen seien. Schätzungsweise 20 Prozent des Tores seien bislang gesäubert. Müller zufolge wurden zudem etwa 750 "Flicken" in der Fassade, so genannte Vierungen, entfernt. Die Hälfte davon sei ausgebessert. Die Sanierung werde von Wissenschaftlern überwacht, sagte Müller. Die mit dem Senat vereinbarten Arbeiten sind nur ein Teil dessen, was ursprünglich einmal erwogen wurde. Die Sanierungdauer wurde auf Wunsch des Senats von zwei Jahren auf 14 Monate beschränkt - das Tor sollte nicht zu lange verhüllt sein.

Müller zufolge wäre es sinnvoll gewesen, wesentlich mehr Vierungen auszubessern. Und es wurde auch darauf verzichtet, Sicherheitskopien von den historischen Reliefs am Tor zu machen. Die Kunstwerke könnten Müller zufolge nicht wieder hergestellt werden, wenn sie kaputt gehen. Außerdem gebe es nun keine dreidimensionale Computeranimation des Tores, die Grundlage eines Pfegekonzeptes wäre. Müller sagt, dass die Arbeiten das Land Berlin nichts kosten. Sie würden unter anderem vom Hauptsponsor Telekom bezahlt. Als kompliziert könnte sich die Sanierung des Fundaments erweisen: Unter dem Tor verlaufen alte Rohre, die Erschütterungen übertragen und so zu Rissen im Bauwerk geführt haben. Das Fundament muss freigelegt, die Rohre müssen "entkoppelt" werden.

Die Frage, ob doch aufwendiger oder länger saniert wird als bislang abgesprochen, könnte aber durchaus wieder aktuell werden. Nach Angaben seiner Sprecherin Petra Reetz hat Bausenator Strieder die Stiftung Denkmalschutz vor einer Woche während einer Besichtigung der Sanierungsbaustelle aufgefordert, "darzulegen, aus welchen Gründen es zu Verzögerungen kommen könnte". Er habe deutlich gemacht, dass der Zeitplan vom Senat beschlossen sei und er ihn nicht eigenmächtig verlängern könne.

Außerdem muss noch geklärt werden, welche Farbe das Tor künftig haben soll - weiß, wie in seinen ersten Jahren oder gewohnt sandsteinfarben. Die Experten seien sich noch nicht einig geworden, sagte Reetz. Zu entscheiden habe der Senat. Reetz rechnet mit einem Votum "kurz vor oder nach der Sommerpause".

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