Bread and Butter : Verschuldete Firmen und eine großzügige Holding

Wie die beiden Chefs von Bread and Butter ihr kleines Modeimperium aufbauen. Zwei Unternehmen der Gruppe sind überschuldet, doch Folgen hat das keine.

Ralf Schönball

Das ist Erfolg: In nur drei Tagen kamen fast 80.000 Fachbesucher aus 100 Ländern zu Ständen und Shows von 800 Modelabels. Die Bread and Butter in Barcelona war im Januar auf Rekordkurs. Ein Segen, auch für die Stadt: Weil die Messebesucher Hotels buchen, in Restaurants und Bars strömen und vor dem Rückflug auf Einkaufstour durch die Kaufhäuser der Stadt ziehen. Die Messebesucher ließen in der katalonischen Stadt 100 Millionen Euro, diese Zahl wollen jedenfalls Wirtschaftsexperten errechnet haben. Nun klingeln die Kassen in Berlin. Wie leistungsfähig muss die Firma „Bread and Butter“ sein, die solche Werte schafft?

Die letzten bisher veröffentlichten Bilanzen von Bread and Butter aus dem Jahr 2007 überraschen. Zwei Unternehmen der Gruppe waren laut Bilanz überschuldet. Folgen hatte das aber keine, weil die Mutter des Konzerns eine Patronatserklärung abgab – die „Holding“ bezahlt für die finanziellen Verpflichtungen der beiden Unternehmen.

Die Holding bringt die "Garantieleistung" auf

Das entschieden die beiden Geschäftsführer Karl-Heinz Müller und Matthias Schmidt. Mit der Bread-and-Butter-Holding soll auch der Mietvertrag über die Flächen auf dem Flughafen Tempelhof abgeschlossen worden sein. Und die Holding soll auch die „Garantieleistung“ aufbringen, die der Senat nach eigenen Angaben von den Messemachern dafür verlangt, dass das Land fünf Millionen Euro in den Flughafen steckt. Wie groß die Garantieleistung ist, wird bisher ebenso verschwiegen wie Details des Mietvertrags.

Mehr als 1,3 Millionen Euro betrug im Jahr 2007 der Fehlbetrag von Bread and Butter Real Estate. Die Firma hatte eine Immobilie in der Gartenfelder Straße in Spandau gekauft, wo die Bread and Butter vor ihrem Wegzug nach Barcelona stattgefunden hatte. Dieses Gebäude wurde wieder verkauft, und die Firma wird nun liquidiert.

Die zweite im Jahr 2007 überschuldete Firma des Modeimperiums, die Bread and Butter Berlin GmbH, war dagegen die Schlüsselfirma für das operative Geschäft: Ende 2007 beschäftigte sie fast 80 Mitarbeiter, und der „Jahresfehlbetrag“ betrug über eine Million Euro. Dennoch war die Berliner Bread and Butter gegenüber ihrem Geschäftsführer großzügig: Für ein Darlehen in Höhe von 100.000 Euro an Karl-Heinz Müller musste dieser keine Zinsen bezahlen.

In Berlin will man mit einer neuen Firma expandieren

Auch die Holding des kleinen Modekonzerns, der die Insolvenz der Töchter verhindert, bedient ihre Eigentümer, zu denen Müller als Hauptgesellschafter zählt: Eine „Vorabausschüttung in Höhe von 500.000 Euro“ beschloss sie am 8. Juni 2007 und am Ende des Jahres die „Vollausschüttung“ des Bilanzgewinnes in Höhe von über 110.000 Euro.

Diesen Gewinn verdankte man im Wesentlichen der Beteiligung an der in Barcelona gegründeten Bread-and-Butter-Tochter. Sie hatte die Messe veranstaltet, bevor der kleine Konzern deren Rückkehr nach Berlin beschloss.

In Berlin will man nun mit einer neuen Firma expandieren: der Fourteen Ounce Berlin GmbH. Ihre Tätigkeit ist laut Handelsregister der „Groß- und Einzelhandel mit Textilien aller Art“. Bereits im Jahresabschluss 2007 stand dazu: Ab 2008 werde eine „Einzelhandelsfläche in Berlin“ angemietet. Seit Januar 2009 steht fest: Das könnte auch der Flughafen Tempelhof sein. 

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