Briefzustellung in Berlin : Gewerkschaften: Post stellt Montags keine Briefe zu

Für mehrere Wochen schränkt die Deutsche Post montags die Briefzustellung ein. Die Aufsichtsbehörde fordert eine Klarstellung von dem Konzern - der weist die Kritik zurück.

Nándor Hulverscheidt
Könnte an Montagen ein seltener Anblick werden: ein Post-Zusteller bei der Arbeit.
Könnte an Montagen ein seltener Anblick werden: ein Post-Zusteller bei der Arbeit.Foto: Deutsche Post

Auch nach dem Streik kehrt bei der Post keine Ruhe ein. Jetzt gibt es neue Kritik von Gewerkschaftlern und dem Deutschen Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation (DVPT). Nach dessen Angaben stellt die Deutsche Post derzeit über mehrere Wochen an Montagen keine Briefpost zu. Tageszeitungen und Zeitschriften würden allerdings weiterhin ausgeliefert. Damit verstoße das Unternehmen gegen die gesetzliche Pflicht, alle Arten von Sendungen an sechs Tagen auszuliefern.

„Auch Berliner Postmitarbeiter haben uns davon erzählt“, sagt Maik Brandenburger, Sprecher der Kommunikationsgewerkschaft DVP.

Eine schriftliche Anweisung der Post-Spitze gebe es nicht, allerdings hätten die Standortleiter ihren Mitarbeitern beispielsweise empfohlen, montags Urlaub zu nehmen oder Überstunden einzulösen. Nach Brandenburgers Kenntnis soll die Maßnahme noch bis zum 7. September laufen. Diese Frist deckt sich in den meisten Bundesländern mit dem Ende der Sommerferien. Der DVPT hat gegen das Vorgehen Beschwerde bei der Bundesnetzagentur eingereicht.

Deutsche Post wehrt sich

Die Deutsche Post wehrt sich gegen die Vorwürfe. Gegenüber der Bundesnetzagentur, die unter anderem das Postwesen überwacht, erklärte das Unternehmen, man erfülle alle gesetzlichen Anforderungen. Es sei allerdings übliche Praxis, bei der geringen Belastung an Montagen Zustellbezirke zusammenzulegen – auch in Berlin ist das derzeit der Fall.

Nichtsdestotrotz hat die Aufsichtsbehörde die Post zu einer umfassenden schriftlichen Stellungnahme aufgefordert. „Zudem gehen wir in diesem Zusammenhang einer geringen Zahl von konkreten Beschwerden nach“, erklärte Fiete Wulff von der Bundesnetzagentur.

Für die Deutsche Post sind die Vorwürfe der Gewerkschaftler „nicht nachvollziehbar“. Die zusammengelegten, längeren Montagstouren seien eine gute Urlaubsgelegenheit für Mitarbeiter, die während des Streiks vor knapp zwei Monaten Überstunden angesammelt hätten. Für die Gewerkschaften wäre ein Briefpost-freier Montag wohl ein Problem, weil dadurch Arbeitsplätze bedroht sein könnten. „Aus unserer Sicht sind sechs Tage zwingend erforderlich“, sagt Gewerkschaftssprecher Brandenburger.

Post sieht keinen Bedarf

Die Berliner Post-Pressesprecherin Anke Blenn erklärt sich die Kritik auch damit, dass viele Menschen am Montag fälschlicherweise Post erwarten. „Die meisten Briefe sind heutzutage gewerblicher Natur. Die werden freitags eingeworfen und schon am Samstag zugestellt“, erläutert Blenn. Im Übrigen sehe die Post derzeit keinen Bedarf für eine Zustellung an fünf statt sechs Tagen.

Dem DVPT, der sich nach eigenem Bekunden für die Liberalisierung von Märkten einsetzt, wäre das sogar ganz recht. Dort verweist man auf andere EU-Staaten, in denen seit Langem an fünf Tagen zugestellt wird. Post-Sprecherin Blenn sieht die Position der Post durch Untersuchungen des Tüv bestätigt: Dieser habe festgestellt, dass 95 Prozent der Briefe nach nur einem Tag am Ziel sind. Das Gesetz fordert 80 Prozent.

Paketshop durchschnittlich 500 Meter entfernt

Allerdings scheint es, dass die Statistik und die Wahrnehmung der Öffentlichkeit wie so oft nicht deckungsgleich sind. Nicht wenige Berliner können Geschichten von verloren gegangenen Paketen und verspäteten Briefen erzählen. Kritik am Service der Post ist alltäglich.

Dabei kommen normale Bürger, abgesehen von der Begegnung mit dem Postboten, gar nicht mehr direkt mit „der Post“ in Berührung: Seit 2011 hat das Unternehmen weder eigene Standorte noch Mitarbeiter. Die heutigen Post-Filialen sind Teil von Postbank-Finanzcentern oder in den Einzelhandel integriert.

Das gefällt nicht jedem. Die Post ist allerdings der Auffassung, dass das Konzept durch die Öffnungszeiten der Geschäfte und deren Sortiment Vorteile bietet. In Berlin sei der nächste Paketshop durchschnittlich weniger als einen halben Kilometer entfernt, aus 180 Paketstationen sollen bis Ende des nächsten Jahres 500 werden.

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