Berlin : Brot für den Kardinal

Erzbistum ruft zu Spenden auf, um die eigenen Schulden zu tilgen

Claudia Keller

Nicht nur die Caritas und „Brot für die Welt“ bitten in Berlin um Spenden. Auch das Erzbistum hält die Hand auf. Die Katholische Kirche hat 150000 katholischen Haushalten Briefe geschickt. Darin bittet Kardinal Georg Sterzinsky um „großherzige Spenden, die dazu beitragen könnten, die Zukunft unseres Erzbistums zu sichern“. Ein Überweisungsformular liegt bei. In einem Faltblatt übernimmt der Kardinal die Verantwortung für die finanzielle Notlage des Bistums und klärt darüber auf, dass die Schulden momentan noch 104 Millionen Euro betragen. Selbst wenn es dem Bistum gelinge, durch Immobilienverkäufe zweistellige Millionenbeträge zu erwirtschaften, bleibe „immer noch ein erheblicher Schuldenberg“. Zehn Millionen Euro privater Spenden sollen durch die vorweihnachtliche Aktion und durch eine groß angelegte Kampagne im nächsten Jahr zusammenkommen. Den Spendenaufruf hat die Berliner Fundraising-Agentur GFS für das Bistum organisiert – zu „marktüblichen Preisen“, sagt Bistumssprecher Stefan Förner. Es sei schon „eine Reihe von Zusagen“ eingegangen von Leuten, die 500 Euro spenden wollten. Aber auch viele Briefe, in denen die Absender ihren Unmut über die Finanzkrise ausdrücken.

Hans-Jürgen van Schewick, der Diözesanratsvorsitzende, hat in den vergangenen Tagen Reaktionen gesammelt. Der Spendenaufruf sei „unumgänglich“, sagt van Schewick, „auch wenn sich einige auf dem falschen Fuß erwischt fühlen“. Man könne nicht 50 Millionen Euro von den anderen Bistümern kassieren, ohne nicht zugleich in Berlin alle Kräfte zu mobilisieren. Einige potenzielle Spender hätten allerdings Angst, dass ihr Geld in irgendwelchen Haushaltslöchern versickert. Die Sorge sei unbegründet, sagt van Schewick, das neu gegründete Kontrollgremium in der Bistumsleitung, der Diözesanvermögensverwaltungsrat, kontrolliere, dass die Spenden wirklich zur Tilgung der Schulden verwendet werden. „Wir können es uns nicht leisten, dass hier nochmal Vertrauen verspielt wird.“

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