Berlin : Bruchlandung in Kreuzberg

Technikmuseum zeigt Wrack einer Junkers F 13

Rainer W. During

20 Jahre lang hat Holger Steinle gesucht, im Jemen ebenso wie in Neuguinea. Jetzt ist der Vizechef des Deutschen Technikmuseums endlich fündig geworden. In Kanada entdeckte er die Überreste einer Junkers F 13. Gestern wurde das Wrack des ersten Ganzmetall-Verkehrsflugzeuges der Welt in Kreuzberg präsentiert.

Ab 1919 hatte das erste Wellblech-Modell des berühmten Flugzeugbauers das Reisen in der Luft revolutioniert. Während die beiden Piloten noch im offenen Cockpit saßen, gab es für die vier Passagiere eine beheizte Kabine. Sechs Jahre später stand die F 13 global im Einsatz. 40 Prozent des Weltluftverkehrs wurden mit dem Modell abgewickelt. Die Lufthansa wurde nutzte den Typ bis 1939.

322 Exemplare wurden gebaut, für die Pionierzeit des Luftverkehrs ein Riesenerfolg. Doch nur fünf Exemplare sind erhalten geblieben. Je eine restaurierte Maschine steht in Budapest, München, Paris und Stockholm. Das Berliner Flugzeug ist 1930 in Dessau gebaut worden. Demontiert kam es per Schiff nach Kanada und wurde dort wieder zusammengebaut. Drei Jahre später stürzte die Maschine im Busch ab, erst 1981 erfolgte die Bergung durch das Western Canada Aviation Museum in Winnipeg. Dort entdeckte Steinle die Überreste, nach langen Verhandlungen wurde man handelseinig. Zurück nach Deutschland kam der Oldtimer im Bauch eines Jumbo-Frachters.

In der Luftfahrtabteilung des Technikmuseums wirbt das Wrack jetzt um Sponsoren für seine Restaurierung. Die soll in einer ungarischen Spezialwerkstatt erfolgen und wird rund 300 000 Euro kosten. Vorerst sichten die Experten acht Gittercontainer mit einer Vielzahl weiterer mitgelieferter Wellblechstücke. Erst dann steht fest, welche Teile im Flugzeugpuzzle noch fehlen.

Wenn alles klappt, könnte in einigen Jahren sogar wieder eine F 13 in die Luft gehen. An entsprechenden Überlegungen der Lufthansa würde sich das Technikmuseum mit einigen Originalteilen einer weiteren Maschine, die Holger Steinle im Jemen entdeckt hat, beteiligen. Die Fluggesellschaft betreibt bereits eine größere, aus den 30er Jahren stammende Junkers Ju 52.

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