Berlin : Brücke in die Zukunft

Seit dem 11. September sind New York und Berlin durch Kontakte von Familien, Feuerwehr und Polizei verbunden. Nun gibt es deutsche Stipendien für Waisen

Annette Kögel

Die Bilder vom 11.September 2001 bleiben unvergessen. Unvergänglich sind auch die Kontakte zwischen Feuerwehrleuten, Polizisten und Familien aus Berlin und New York. Die Checkpoint Charlie Stiftung in Steglitz-Zehlendorf schreibt jetzt sogar ein Stipendiatenprogramm für amerikanische Kinder und Jugendliche aus, die ihre Eltern bei den Terroranschlägen verloren haben. Für die „City of Berlin Scholarships“ steht eine halbe Million Euro Spendengelder bereit. Auch die Berliner Feuerwehr pflegt noch immer den Kontakt zu Kollegen und Hinterbliebenen und lädt für das nächste Jahr wieder Halb- und Vollwaisen sowie schwerkranke Feuerwehrleute ein.

„Mit dem Stipendium wollen wir den Kindern langfristig helfen“, sagt Andrea Mehrländer, Geschäftsführende Direktorin der Checkpoint Charlie Stiftung. Die Stiftung war nach Abzug der Alliierten 1994 auf Initiative des Abgeordnetenhauses zur Kontaktpflege gegründet worden. Dass es einen so tragischen Anlass zum Brückenschlag geben würde, hat damals niemand geahnt. „Berlin hilft den USA“ heißt die Spendenaktion – die Ausschüttung kommt nun Kindern zugute, die beide Eltern oder ein Elternteil bei den Anschlägen verloren haben. Dank Spenden aus ganz Deutschland können in den nächsten 20 Jahren 30 000 Dollar ausgeschüttet werden: für Schulgebühren, für Collegebeiträge. Jedes Jahr kann so bis zu sechs jungen Amerikanern der Weg in die Zukunft geebnet werden.

Geld ist eine Hilfeleistung, der persönliche Kontakt die andere. Die Feuerwehr hat fürs nächste Jahr , wie schon 2002 und 2003, Waisen und Feuerwehrleute nach Berlin eingeladen. „Das ist immer noch unvorstellbar: 343 Feuerwehrmänner kamen ums Leben, so viele Kollegen sind selbst während der Weltkriege nicht bei einem einzigen Einsatz gestorben“, sagt Landesbranddirektor Albrecht Broemme. 30 Amerikaner werden in Kooperation mit dem New Yorker Verein „Friends of Firefighters“ in die Stadt kommen, darunter auch Männer, die seit den Aufräumarbeiten schwer krebskrank sind. Die Gäste werden in Hotels untergebracht. „Für viele Kinder wäre es immer noch zu schmerzhaft, bei Gasteltern eine intakte Familie zu erleben“, sagt Sabina Kaczmarek, Referentin von Albrecht Broemme. Viele Feuerwehrangehörige schreiben sich noch heute zu Weihnachten und zum Geburtstag. Oder besuchen sich außerhalb des offiziellen Programms: 2002 waren Firefighters zum Barbecue-Grillfest auf dem Gelände des Akademischen Seglervereins (ASV). Als die Sportler 2003 über den Atlantik segelten, trafen sie die neuen Freunde in New York wieder.

Auch bei der Polizei gibt es freundschaftliche Bande. Horst Schink ist Präsident der „International Police Association“ in Berlin; 1300 Mitglieder gibt es allein in dieser Stadt. Jetzt steht ein erfreulicher Anlass zum Besuch an: „Wir fliegen in ein paar Tagen rüber zur Steuben-Parade.“

Kontakt für Sponsoren und Spender: Checkpoint Charlie Stiftung: Berliner Volksbank, Konto 8848051064, Blz 10090000, Stichwort „Berlin hilft den USA“. Feuerwehr: Postbank Berlin, Konto 58100, Blz 10010000. Stichwort „Feuerwehrbrücke 0565/51193“ (Tel. 38710902).

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