Brücken-Beleuchtung : Charlottenburg wird Hellersdorf

Mehr Licht, mehr Kunst: Viele Unterführungen in der Berliner City West sollen nicht mehr so düster sein.

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Lichtwelle. Ab Herbst soll eine interaktive Beleuchtung die Brücke in der Bleibtreustraße zieren.
Lichtwelle. Ab Herbst soll eine interaktive Beleuchtung die Brücke in der Bleibtreustraße zieren.Simulation: promo

Düstere Bahnbrücken, unter denen Passanten nach Einbruch der Dunkelheit nur ungerne entlang laufen, gibt es vielerorts in Berlin. Einige davon stehen in Charlottenburg-Wilmersdorf, wo bereits vor einem Jahr eine „Perlenkette“ aus künstlerischen Lichtkunst-Installationen an acht Brücken angekündigt wurde. Am Bahnhof Neukölln gibt es bereits eine vergleichbare Beleuchtung, und 2014 soll die Unterführung am Bahnhof Spandau aufgehellt werden.

Auch in der City West geht es nun voran. An der Brücke in der Bleibtreustraße wollen zwei Berliner Unternehmer bis Herbst ein ungewöhnliches Lichtkonzept umsetzen: Eine „interaktive Beleuchtung in Kreisform“ soll über Bewegungsmelder auf die Passanten, fahrende Autos und den Bahnverkehr reagieren. Aus LED-Leuchten entsteht dann eine Art Welle aus Licht in wechselndem Tempo und drei verschiedenen Farben. Ursprünglich war die Illumination in der Bleibtreustraße bereits ab Ende 2012 geplant, aber erst jetzt sind die Ausschreibung beendet und finanzielle Details geklärt.

Insgesamt stehen für die acht Brücken rund 460 000 Euro zur Verfügung. Das Geld stammt aus dem Bund-Länder-Programm „Aktive Zentren“ sowie von der Stiftung „Lebendige Stadt“, deren Kuratoriumsvorsitzender der Manager und Versandhaus-Erbe Alexander Otto ist. Die auf 110 000 Euro in zehn Jahren geschätzten Strom- und Wartungskosten sollen Anrainer zahlen, einen Teil dieser Summe hat die AG City bereits eingeworben und bürgt dafür.

Und wo ist hier der Lichtschalter? Die Bahnbrücke über der Kantstraße am Theater des Westens mit der geplanten Beleuchtung.
Und wo ist hier der Lichtschalter? Die Bahnbrücke über der Kantstraße am Theater des Westens mit der geplanten Beleuchtung.Simulationen: promo

Für die Brücken in der Hardenberg- und Kantstraße am Bahnhof Zoo würden die Ausschreibungen gerade vorbereitet, sagt Vize-Bürgermeister Klaus-Dieter Gröhler (CDU). Dort wolle man die Beleuchtung im kommenden Jahr starten. Die Siegerentwürfe aus einem Wettbewerb wirken aber nicht so spielerisch wie in der Bleibtreustraße; Kassetten- und Trägerelemente der Brücken sollen statisch von unten angestrahlt werden. Bei den fünf weiteren Standorten, wo die Beleuchtung später folgen soll, handelt sich es sich um die Bahnbrücken in der Fasanen-, Grolman-, Knesebeck- und Uhlandstraße und in der Hertzallee.

Speziell am Bahnhof Zoo erhofft sich die AG City auch mehr Sauberkeit. Vorstandsmitglied Uwe Timm glaubt, dass sich „Leute besser benehmen“, wenn die dortigen Unterführungen in den Abend- und Nachtstunden optisch ansprechender und übersichtlicher werden.

Ein Ärgernis für Geschäftsleute und Fußgänger ist seit langem auch die Bahnbrücke in der Wilmersdorfer Straße am S-Bahnhof Charlottenburg. Obwohl sie nicht zu den acht ausgewählten Orten gehört, hat das Engagement der Arbeitsgemeinschaft Wilmersdorfer Straße und Unterstützung durch den Bezirk jetzt zu einem Erfolg geführt: Im Juli sollen Leuchten in Betrieb gehen, die der Berliner Lichtdesigner Andreas Boehlke installiert. „Es ist kein Lichtkunstkonzept“, sagt Gröhler, man wolle nur die „Barrierewirkung“ der Brücke zwischen der Fußgängerzone und dem südlichen Straßenteil in Richtung Ku’damm verringern. Bei trübem Wetter schalte das Licht schon tagsüber ein. Der Berliner Hersteller Semperlux spendet die Leuchten. Das Bezirksamt bezahlt die Montage und Stromkosten, während die Straßen-AG für Wartungen und Reinigungen aufkommt.

Der Bund der Steuerzahler sieht die Illumination skeptisch und warnt davor, dass die Kosten „um ein Vielfaches“ steigen könnten – wie schon in Neukölln. Laut dem „Schwarzbuch“ des Steuerzahlerbundes waren 100 000 Euro kalkuliert, am Ende seien die Ausgaben aber auf mehr als 400 000 Euro gestiegen. Das Bezirksamt Neukölln freut sich indes lieber darüber, dass das Bundesbauministerium das Projekt als „vorbildlichen“ und innovativen Beitrag zur Stadtentwicklung ausgezeichnet hat.

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