Berlin : Brunch mit Giftspritzen

Ariane Bemmer

Wenn ein Auto Cobra heißt, sagt man dann „die Cobra“ wie „die Ente“ oder „der Cobra“ wie „der Jetta“? Nicht, dass Ente und Jetta irgendetwas mit Cobras gemein hätten. Cobras sind die giftigsten Sportautos überhaupt, das kann man nachlesen. Und sie wurden schon 1964 ins Guinnessbuch der Rekorde eingetragen, als schnellste Straßenfahrzeuge der Welt: Die kleinen Zweisitzer brachten es auf Tempo 293. Doch dann kam in den USA die Geschwindigkeitsbegrenzung für Autobahnen, und das Interesse an den superschnellen Autos erlosch. Dann wurde die Firma verkauft, und es wurden andere Cobras gebaut.

Ein Modell mit dem Baujahr 1986 in Knallrot steht im Meilenwerk. Man könnte es kaufen. Es sieht gut aus und kostet 79 890 Euro. Es ist aber nicht das einzige tolle Autos hier. In dem ehemaligen Straßenbahndepot in Moabit stehen sie dicht an dicht. Alte Maseratis, Jaguars, MGs, Mercedesse, Ferraris und noch viel mehr. Das Meilenwerk nennt sich Forum für Fahrkultur. Außer den Verkaufsautos gibt es gläserne Mietgaragen für wertvolle Wagen, Werkstätten, Ausstatter, und es gibt das Trofeo, ein Restaurant mit Biergarten. Zwar wird auch dort gelegentlich eine große Fernsehleinwand ausgerollt, aber nur, wenn es Formel 1 gibt, damit mal richtig laute Motorengeräusche durch die mit Linoleum ausgelegten Hallen dröhnen. Was es nicht gibt, ist Fußball. Wer also seinen WM-vollen Kopf an diesem Sonntag mal ablenken will, kann sich beim Brunch im Meilenwerk etwas Jazzmusik um die Ohren pusten lassen und beim Essen überlegen, wen man mit welchem Auto am meisten beeindrucken könnte oder wie viele Mahlzeiten man künftig auslassen müsste, um sich eins davon leisten zu können.

Jazz-Brunch: 10 bis 14 Uhr, Trofeo im Meilenwerk, Wiebestraße 36, Moabit, 9,90 Euro p. P., Tel. 20 61 30 30, noch bis 2. Juli, dann ist Sommerpause

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