Berlin : Brunnen: Mittagspause aus Kostengründen

Cay Dobberke

Wasser marsch!, heißt es jetzt wieder an einigen der rund 500 Brunnen in der Stadt. Ostern war in den meisten Bezirken der Saisonbeginn für die Wasserspiele. Damit können sich die Berliner auch gleich ein Bild vom aktuellen Stand des alljährlichen Finanzdesasters um den Betrieb der Anlagen machen. Gerade noch rechtzeitig für einige der Brunnen hatte die Senatsfinanzverwaltung zwar die Haushaltssperre gelockert, aber viele Bezirksämter haben trotzdem nicht genug Geld.

In Mitte sprudeln immerhin die wichtigsten der 44 Brunnen. Die Verwaltung von Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) finanziert den Betrieb des Neptunbrunnens vor dem Roten Rathaus, der Fontänen im Lustgarten und der beiden Brunnen auf dem Pariser Platz. Diese Anlagen waren zuvor mit Senatsmitteln saniert oder gebaut worden. Den Brunnen vor dem Aquarium und dem Elefantentor des Zoos sponsert derweil der Unternehmer Willy Kausch, der als Veranstalter der Silvesterpartys am Brandenburger Tor bekannt wurde.

Nicht einig wurde CDU-Baustadtrat Dirk Lamprecht dagegen mit dem Straßenmöbel-Hersteller und Werbetafelbetreiber Hans Wall. Dieser wollte 20 Jahre lang sogar für alle Brunnen im Regierungsbezirk zahlen. Er verlangte dafür jedoch fünf zusätzliche Werbeflächen, aus deren Erlösen auch die Renovierung von Toiletten am Alexanderplatz und vor dem Roten Rathaus finanziert werden sollte. Stadtrat Lamprecht verwies in einem Tagesspiegel-Streitgespräch aber darauf, dass allein Wall schon 395 Plakatflächen in Mitte betreibe: "Das reicht."

Keinen Grund zur Klage sieht dagegen der Baustadtrat von Tempelhof-Schöneberg, Gerhard Lawrentz (CDU). Die Firma Wall zahlt seit zwei Jahren je etwa 140 000 Mark für alle funktionsfähigen Schöneberger Brunnen und durfte dafür vier Werbetafeln installieren. Auch der frisch sanierte Hirschbrunnen im Rudolph-Wilde-Park plätschert wieder. Zusätzlich werden nun vier Tempelhofer Wasserspiele von Wall finanziert. Im neuen Großbezirk Pankow gilt eine langjährige Vereinbarung mit Wall für Prenzlauer Berg fort. Insgesamt sollen in Pankow mit drei Ausnahmen alle Brunnen sprudeln.

Ohne eine direkte Gegenleistung zahlt Wall in Spandau, wo die Firma ansässig ist. In der Altstadt wurden jetzt der Partnerschaftsbrunnen in der Havelstraße und das "Rückgrat" auf dem Marktplatz in Betrieb genommen. Ob und wann die beiden Trinkbrunnen in der Fußgängerzone wieder sprudeln können, wird laut Baustadtrat Carsten Röding (CDU) noch geprüft.

Kaum Probleme mit den Brunnen gibt es auch in Charlottenburg-Wilmersdorf. 32 der 35 Anlagen wurden an den Ostertagen angestellt. Etwa 600 000 Mark Kosten pro Jahr können aus dem Bezirksetat und durch Spenden von 156 000 Mark gedeckt werden. Der größte Unterstützer ist die Händlergemeinschaft AG City, die seit 1996 für den "Wasserklops" am Breitscheidplatz aufkommt. Bei manchen anderen Brunnen gibt es aus Kostengründen eine zweistündige Mittagspause.

Weitere Bezirke stehen ähnlich gut da. In Lichtenberg-Hohenschönhausen tritt die Firma Ströer Citymarketing als Sponsor für 19 der 21 Brunnen auf, sie erhielt dafür drei Werbeflächen. Zwei beschädigte Anlagen wurden aufgegeben und zu Schmuckbeeten umgewandelt. Marzahn-Hellersdorf finanziert seine 22 bezirkseigenen Brunnen selbst, bis Mitte Mai sollen alle sprudeln. Treptow-Köpenick will Ende April ebenfalls sämtliche Brunnen anschalten. In Reinickendorf beginnt die Saison an 19 Standorten voraussichtlich Mitte Mai. Ein Viertel der Betriebskosten von 100 000 Mark zahlen Sponsoren.

Dagegen reicht das Geld in Neukölln nur für 6 der 14 Anlagen. Steglitz-Zehlendorf dreht an lediglich 14 der 34 Standorte die Hähne auf, und das aus Spargründen auch nur stundenweise. Erhebliche Probleme hat Friedrichshain-Kreuzberg. Nur die Seefontäne im Volkspark Friedrichshain läuft schon. Das Schicksal der übrigen Anlagen hängt davon ab, ob sich noch Sponsoren finden, denn es fehlen 670 000 Mark.

Das größte Kopfzerbrechen bereitet dem Bezirksamt der Kreuzberger Pamukkale-Brunnen im Görlitzer Park. 3,5 Millionen Mark hatten die Mitte 1998 eröffneten Sandsteinterrassen gekostet, aber schon im März 1999 mussten sie wegen Rissen im Stein gesperrt werden. Auch für diese Saison schließt der Bezirk die Wiederinbetriebnahme aus. Die Schuldfrage soll nun in einem Gerichtsverfahren geklärt werden.

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