Berlin : Brustkrebs: Vorsorge-Start verzögert sich

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Der Start der gesetzlich vorgeschriebenen flächendeckenden BrustkrebsUntersuchungen für Frauen verzögert sich in Berlin weiter. Nun könne man frühestens Ende 2006 mit dem Programm beginnen, heißt es von Krankenkassen und Ärzten. Dann werde man die ersten der 440 000 Frauen zwischen 50 und 69 Jahren anschreiben, die das höchste Risiko für Brustkrebs tragen und deshalb laut Gesetzgeber alle zwei Jahre diese Reihenuntersuchung in Anspruch nehmen sollen. Damit startet Berlin das Programm ein Jahr später als geplant und ist so voraussichtlich bundesweit das Schlusslicht unter allen Bundesländern.

Zwar haben Berliner Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) nun eine Arbeitsgemeinschaft zur Vorbereitung auf das Mammographie-Screening in Berlin gegründet, jedoch viel zu spät. Denn zuvor hatte es, wie berichtet, Gerangel um die Leitungsposten für die Zentralstelle gegeben, die die Daten der Frauen im Auftrag der Kassen verwalten und die Einladungen zu den Untersuchungen verschicken soll. Im Frühjahr gab die Berliner KV, die die Zentralstelle aufbauen sollte, entnervt den Auftrag zurück.

Nun läuft der Streit vor allem zwischen den Berliner Kassen, die verschiedene Strategien verfolgen. Während die Berliner AOK noch lange darauf beharrte, dass man die KV nicht aus der Verantwortung entlassen solle, wollten andere Versicherungen diese Aufgabe ihrem Medizinischen Dienst übergeben, um den Zeitverlust wieder aufzuholen.

Diese Debatten könnten dazu führen, dass viele Frauen die Vorteile einer Früherkennung des Brustkrebses im kommenden Jahr noch nicht nutzen können. Allein in Berlin erkranken Jahr für Jahr 2000 Frauen und rund 700 sterben jährlich an dieser Erkrankung. Durch das Mammographie-Screening könne man die Sterblichkeit um 30 Prozent verringern, sagen Befürworter – auch wenn Kritiker an dieser Zahl zweifeln.

Die Verzögerungen könnten sich auch auf die Standortwahl für eines der bis zu sechs regionalen Brustkrebsreferenzzentren in Deutschland auswirken. Eines sollte in Berlin entstehen. Nun könnte es in eine andere Stadt wechseln, befürchtet der Berliner AOK-Chef Rolf Müller. I.B.

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