Berlin : Brutaler Schläger zu Haft verurteilt

24-Jähriger schlug in der Straßenbahn einen Fahrgast halb tot, der einem Gewaltopfer helfen wollte

Kerstin Gehrke

Michael K. hat nicht lange überlegt. Als ein Fahrgast in der Straßenbahn in Not war, unternahm er sofort etwas. „Hört doch auf damit“, rief er schlichtend. Für seine Zivilcourage wurde der 42-Jährige brutal bestraft. Der 24-jährige Christopher F. hielt sich an den Haltegriffen fest, holte Schwung und trat Michael K. mit beiden Schuhen ins Gesicht. Er drosch weiter auf den Helfer ein, als der längst bewusstlos am Boden lag. Er prügelte Michael K. halb tot. Gestern saßen sich Täter und Opfer im Gerichtssaal gegenüber.

Noch bevor der Staatsanwalt die Anklage verlesen konnte, ging Christopher F., ein durchtrainierter Mann mit breiten Schultern und Stiernacken, auf Michael K. zu. Der Nebenkläger wich zurück. Der Schläger streckte ihm nun die Hand entgegen. „Es war nicht richtig“, nuschelte der Angeklagte. Michael K. rührte sich nicht. Christopher F. hatte seinen Kopf und sein Gesicht fast zerschlagen. Der Schädel war gebrochen, die Nase, der Kiefer. Bis heute fehlt sein Geruchssin, das Zubeißen fällt ihm schwer und auch das Hören.

Der Angestellte K. war am 17. Juli auf dem Heimweg Richtung Weißensee. Kurz vor Mitternacht in der Linie 13 ereignete sich der Angriff. Der jüngere Bruder von Christopher F. soll darin verwickelt gewesen sein. „Ick hörte einen Schrei, ein Mann hatte sich eingemischt, ich bin auf ihn los“, sagte der Angeklagte. „Mir ging es nicht so jut, ich kam vom Fitness-Training, hatte dann was getrunken.“

Der Schläger war festgenommen, dann aber wieder frei gelassen worden. Es gebe keine ausreichenden Gründe für einen Haftbefehl, hieß es. Dabei hat Christopher F. in den letzten zehn Jahren mindestens acht Mal Schläge ausgeteilt. Nach dem Angriff auf Michael K. hat er sich um Arbeit bemüht, sich für ein Anti-Gewalt-Seminar angemeldet und geheiratet. Das Gericht hielt seine Reue für glaubhaft und verhängte eine Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Michael K. meinte, die Richter seien „recht milde“ gewesen. Trotz seiner Verletzungen steht für den Dreher fest: „Wegschauen werde ich auch in Zukunft nicht.“

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