Buchvorstellung in Frankfurt : Wowereit fordert Mut zur Integration

Klaus Wowereit stellte sein Buch in Frankfurt vor. Der Sohn einer Ostpreußin warb fürs Miteinander.

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Klaus Wowereit auf der Frankfurter Buchmesse.
Klaus Wowereit auf der Frankfurter Buchmesse.Foto: dapd

Klaus Wowereit bleibt cool, als ihn sein Moderator Hajo Schumacher am Stand des Vorwärts-Verlages in der Halle 3.0 der Frankfurter Buchmesse süffisant als „Top-Event“ anpreist; als einen Autor, der mit seinem Buch „Mut zur Integration. Für ein neues Miteinander“ schon für viel mediales Aufsehen gesorgt hat. Man weiß nicht, was diese Süffisanz soll; eine gewisse Bedeutung und auch ein wenig Symbolcharakter hat Wowereits Auftritt aber. Denn vor genau einem Jahr war Thilo Sarrazin mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ der Aufreger auf der Frankfurter Buchmesse.

Wowereit hat jetzt eine Art Anti-Sarrazin-Buch vorgelegt, ohne dieses als ein solches verstanden wissen zu wollen, auch wenn er sich darin den einen oder anderen Seitenhieb auf Sarrazin nicht verkneift („eiskalt“, „Krawallmacher“) Das Thema Sarrazin erledigt Wowereit an diesem Freitagnachmittag relativ schnell. „Wowereit schießt gegen Sarrazin“, zitiert Schumacher die „Bild“, und Berlins weiterhin Regierender erklärt, dass er ein Buch über Integration geschrieben habe, sein Immer-noch-Parteigenosse aber ein integrationsfeindliches.

Tatsächlich können die Bücher der beiden allein formal nicht unterschiedlicher sein: Wowereit hat gerade einmal 166 Seiten geschrieben, er verzichtet auf Schaubilder und Statistiken, seine Streitschrift ist kein wissenschaftliches Sachbuch. Und er will das Thema Integration nicht allein unter religiösen und ethnischen Gesichtspunkten verhandeln, sondern es ist für ihn gesamtgesellschaftlich von Bedeutung: Auch die kranke Rentnerin oder die alleinerziehende Hartz-IV-Empfängerin müssen integriert werden.

„Vielfalt ist angesagt“, ruft Wowereit und: „Ich bin ein Integrationserfolg“. Denn allein der Name deutet auf einen ostpreußischen und litauischen Hintergrund. Wowereit heißt auf litauisch „kleines Eichhörnchen“, und Wowereits Mutter Hertha stammt aus Ostpreußen. Und er musste sich nach oben kämpfen: „Das Geheimnis liegt darin, dass beide wollten: Das Land wollte mich und ich wollte nach oben“. Anschließend handeln er und Schumacher die Thesen des soliden, auf den gesunden Menschenverstand setzenden Buches Punkt für Punkt ab: keine Bußgelder, mehr Einstellungen von Menschen mit Migrationshintergrund in den öffentlichen Dienst, das abermalige Fördern des Aufstiegswillen von Einwanderern, der stetige Versuch, in die Familien hereinzukommen durch Stadtteilmütter oder Quartiersmanager. Und Wowereit verweist auf das im vergangenen Jahr verabschiedete Partizipations- und Integrationsgesetz.

Erst als er sagt, dass Integration immer ein Thema sein müsse, nicht nur, wenn es ein Sarrazin-Buch oder einen Fememord gibt, dass es zum Beispiel auch im Berliner Wahlkampf keine Rolle gespielt habe, muss man sich doch wundern. Zum einen war das im SPD-Wahlkampf nicht anders, zum anderen hat er ja jetzt ein Buch geschrieben, das auch verkauft werden und Aufmerksamkeit bekommen will. Auf die Frage, ob denn Themen wie das kommunale Wahlrecht oder die doppelte Staatsbürgerschaft jetzt bei den Koalitionsverhandlungen mit der CDU eine gewichtige Rolle spielen, antwortet Wowereit: „Natürlich, klar.“ Das aber klingt nicht so über die Maßen engagiert, sondern nurmehr geschäftsmäßig.

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