Berlin : "Bündnis der Vernunft": Mutige Auftritte gegen Rechts geehrt

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Vier Bürger nahmen gestern das "Band für Mut und Verständigung" entgegen, weil sie Mut und Zivilcourage bei der Verteidigung ausländischer Mitmenschen bewiesen haben. Diese Auszeichnung verleiht das "Bündnis der Vernunft gegen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit", Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen überreichte sie im Roten Rathaus. "Die Preisträger sind mit ihrem Handeln Vorbild", sagte Diepgen in seiner Laudatio.

Eins dieser Vorbilder ist der Frührentner Lutz Wolff aus Gerswalde. Er kümmerte sich darum, dass Kinder von Asylbewerbern im Fußballverein mittrainieren konnten und schützte sie vor Bedrohung durch ortsansässige Rechtsradikale. Wolff zeigte sich verwundert, dass er deswegen für die Ehrung vorgeschlagen wurde.

Die Abiturientin Annett Noack sagte im Gubener Hetzjagd-Prozess aus. Sie hatte sich in der Nacht, in der ein algerischer Asylbewerber zu Tode kam, die Autokennzeichen beteiligter Neonazis gemerkt. Ihre Aussage war im Prozess maßgeblich. "Ich war mir nicht sicher, ob man danach bedroht wird", sagte sie. Dennoch habe sie nicht daran gezweifelt, vor Gericht zu erscheinen.

Auch die Zehlendorferin Erdmute Orthmann nahm das Band entgegen. Seit 20 Jahren setzt sie sich für Menschen nichtdeutscher Herkunft, insbesondere Flüchtlinge ein.

Das "Bündnis der Vernunft" gründete sich 1991 aus Anlass der rechtsradikalen Übergriffe in Hoyerswerda. Der Anstoss dazu kam vom Deutschen Gewerkschaftsbund Berlin-Brandenburg. Unter anderem sind im Bündnis die Landesausländerbeauftragten, die Arbeiterwohlfahrt, der Landessportbund und die Kirchen geeint. Seit 1993 zeichnen die Mitglieder engagierte und mutige Bürger aus, die sich gegen Ausländerfeindlichkeit oder sich für die Verständigung unterschiedlicher Nationalitäten einsetzen.

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