Bürger gegen Brandstifter : Auf Kiezstreife in Reinickendorf

In Reinickendorf patrouillieren Bürger gegen Brandstifter. Dahinter steckt Norbert Raeder von der Partei Die Grauen. "Wir sind 500 Leute", sagt er. Und jede Nacht im Einsatz.

von
Auch in Reinickendorf brannten in den letzten Wochen immer wieder Autos.
Auch in Reinickendorf brannten in den letzten Wochen immer wieder Autos.Foto: dpa

Norbert Raeder kann seine Augen kaum offen halten. Zurzeit bekommt der Hilfssheriff nur wenig Schlaf. Denn auch in der Nacht zu Freitag war Raeder wieder in Reinickendorf unterwegs. Von 23 Uhr bis 4.30 Uhr patrouillierte er durch den Bezirk – zusammen mit acht Mitstreitern, verteilt auf vier Autos und auf vier Routen. Seit zweieinhalb Wochen geht das nun schon so. Jede Nacht hält Raeder mit seiner Kiezstreife die Augen offen, auf der Jagd nach Brandstiftern. Wie viele sie sind? „Ungefähr 500 Leute“.

Der 42-Jährige trägt keine Schusswaffe, sondern das Haar vorne kurz und hinten lang, dazu einen Schnauzer. Raeder betreibt die Kneipe „Kastanienwäldchen“ in der Residenzstraße und ist der Spitzenkandidat der Wählergemeinschaft Die Grauen in Reinickendorf. Er sagt: „Wir sind auf der Straße, damit die Brandserie nicht nach Reinickendorf schwappt.“ Bislang wurden in diesem Jahr zwei Autos im Bezirk angezündet. Raeder aber will das Problem schon „im Keim ersticken“.

Friedhof der ausgebrannten Autos
In einer Halle in Schöneberg sammelt die Polizei die ausgebrannten Autos der vergangenen Monate. Eine Bildergalerie.Weitere Bilder anzeigen
1 von 24Foto: Henning Onken
19.08.2011 08:01In einer Halle in Schöneberg sammelt die Polizei die ausgebrannten Autos der vergangenen Monate. Eine Bildergalerie.

Beim nächtlichen Kleben der Wahlplakate sei ihm die Idee gekommen, eine Kiezstreife zu bilden, erzählt Raeder. „Wir sind ja sowieso jede Nacht unterwegs, da können wir ja auch ein wachsames Auge auf diese Verrückten haben.“ Einen Brandstifter habe er bisher noch nicht auf frischer Tat ertappt. Dafür sorgt der Zwei-Meter-Mann auch so für Ordnung in seinem Kiez, erzählt er. Einmal habe er eine Schlägerei zwischen Jugendlichen verhindert, ein anderes Mal Plakateabreißer zur Rede gestellt und erst letztens zwei Autoknacker in die Flucht geschlagen. „Eine Bürgerwehr mit Knüppeln sind wir aber nicht“, sagt Raeder. Eigentlich will er nur die Polizei alarmieren, wenn ihm irgendetwas auffällt und nicht selbst einschreiten. „Die Cops hier mögen uns, die wissen ja, dass wir hier nicht den Superhelden spielen wollen.“

Lesen Sie auf Seite 2, warum die Kiezstreife auch nach dem Abebben der Brandserie aktiv bleibt.

Seite 1 von 2
  • Auf Kiezstreife in Reinickendorf
  • Seite
Artikel auf einer Seite lesen

11 Kommentare

Neuester Kommentar