Berlin : Bürohaus Unter den Linden: Einstiger britischer Botschaft droht der Abriss

C. .v. L.

Was wird aus der ehemaligen britischen Botschaft Unter den Linden? Die Oberfinanzdirektion (OFD) will das bundeseigene Grundstück verkaufen und hat nach einer Ausschreibung auch einen Bewerber, mit dem sie gern ins Geschäft käme. "Bayer ist Favorit", sagte gestern OFD-Sprecher Helmut John. Das Pharmaunternehmen wolle das Anfang der siebziger Jahre errichtete Bauwerk Unter den Linden 32-34 abreißen und einen Neubau - möglicherweise als Unternehmensrepräsentanz - einrichten, hieß es. Die Verwaltung für Stadtentwicklung, insbesondere Senatsbaudirektor Hans Stimmann, verweigerten aber den Abriss. Das Geschäft ist in der Schwebe und die OFD fürchtet um einen berühmten Investor.

Glücklich sei man über die Abrisspläne zwar auch nicht, aber akzeptiere sie. Auch ein weiterer Bewerber um das Grundstück, eine Anlagefondsgesellschaft, wolle das Haus abreißen. Nach Auskunft Johns hat die Oberfinanzdirektion eineinhalb Jahre mit Bayer verhandelt. Man habe erwartet, dass der unter Denkmalschutz stehende Bau erhalten bleibt. Kurz vor der geplanten Beurkundung des Grundstücksgeschäfts habe das Unternehmen aber überraschend wissen lasssen, dass es keine Abrissgenehmigung erhalte. Seitdem herrsche Stillstand.

Die Sprecherin der Senatsverwaltung, Petra Reetz, wies darauf hin, dass sich Senatsbaudirektor Hans Stimmmann "nicht generell" gegen einen Abriss des Büro- und Geschäftshauses gewandt habe. Er wolle nur nicht "locker" einen Abbruch genehmigen, sondern mit Fingerspitzengefühl vorgehen und vor allem darauf achten, ob "ein großer Wurf" geplant sei. Die gesamte Straße Unter den Linden stehe unter Ensembleschutz, und gerade die ehemalige Botschaft, zuletzt als Außenstelle genutzt, sei ein Beispiel dafür, dass sich auch DDR-Architektur harmonisch in vorhandene Baustrukturen einpassen könne. Das habe man von den abgerissenen ehemaligen Botschaften Polens und Ungarns nicht sagen können. Das Gebäude neben dem Zollernhof des ZDF wirke elegant und bescheiden und habe mit Sicherheit auch innere Werte, sonst wäre es wohl kaum als diplomatische Vertretung genutzt worden. Vorstellbar sei, dass die Fassade erhalten bleiben könnte, sagte Frau Reetz. Sie warf der OFD-Bundesvermögensverwaltung vor, im Ausschreibungstext von Abrissmöglichkeiten gesprochen zu haben, was die Oberfinanzdirektion gestern strikt zurückwies. Sie habe im Gegenteil auf den Denkmalschutz aufmerksam gemacht.

Der Pharmakonzern teilte am Freitag in Leverkusen mit, die Bayer-Pensionskasse stünde weiter in Verhandlungen, das Grundstück zu erwerben. Pläne für eine Unternehmensrepräsentanz könne man nicht bestätigen. Nach Mitteilungen der Pensionskasse seien "Umbau und Renovierung" geplant, anschließend solle das Gebäude "zur Vermietung auf den Markt" gebracht werden.

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