Berlin : Bundespresseball: Ein Abend der besten Absichten

Matthias Oloew

Man geht zum Bundespresseball nicht einfach so. Man geht zum Bundespresseball in einer bestimmten Absicht. Amüsement, na klar, steht ganz oben auf der Liste. Aber der Bundespresseball ist vor allem eine grandiose Gelegenheit, um halbwegs ungezwungen ins Gespräch zu kommen. Da werden Strategien ausgeheckt und Verbrüderungen an der Champagner-Bar zelebriert. Oder aber kleine Unstimmigkeiten ausgeräumt. Vor allem in dieser Hinsicht ist der Bundespresseball wichtig.

Ulrich Meyer wird deshalb am Freitagabend nicht ganz so gerne in das Hotel Intercontinental gekommen sein. Denn der Sat-1-Moderator hätte vermutlich gerne einen Zwist mit Bundestagspräsident Wolfgang Thierse ausgeräumt. Mit Händeschütteln, Gläschen trinken und Komplimente austauschen und so. Denn Thierse hat Meyer Hausverbot erteilt - nicht im Interconti, da ist der SPD-Mann schließlich nicht Hausherr - sondern im Reichstag, weil Meyer einen Beitrag über angeblichen Kokaingebrauch auf Abgeordnetentoiletten verantwortet hat. Aber auf dem Ball wird es für Meyer keine Gelegenheit geben, den Ärger beizulegen, denn Thierse wollte nicht kommen. Wegen Meyer? Das weiß niemand so ganz genau. Jedenfalls hatte der Sat-1-Mann die feste Absicht, trotzdem am Freitagabend dabei zu sein. Ob er diesmal die Wischtücher zu Hause lässt, mit denen seine Mitarbeiter Kokainspuren entdeckt haben wollten?

Es ist der 49. Bundespresseball und der zweite in Berlin. Wieder ist Willy Weiland, seines Zeichens Hotelchef des Interconti, Gastgeber. Für ihn ist der Ball die wohl beste Gelegenheit, um die Qualität seines Hauses unter Beweis zu stellen. Aber auch sonst ist der Abend bestens geeignet, um die unterschiedlichsten Absichten umzusetzen. Shawne Borer-Fielding, feierlaunige Gattin des Schweizer Botschafters, könnte den Ball zum Beispiel nutzen, um an der Seite ihres Mannes zu beweisen, dass sie auch ganz züchtig auftreten kann. Das gäbe dann nicht so viele skandalträchtige Schlagzeilen in der heimischen Buntpresse. Und Außenminister Joschka Fischer könnte unter Beweis stellen, dass ihm alle Trennungsgerüchte von seiner Frau aus den Boulevardzeitungen überhaupt nichts anhaben können.

Auf jeden Fall ist der Bundespresseball - wie immer - für alle diejenigen eine wunderbare Gelegenheit, die ausgiebig tanzen oder sich an den opulenten Büfetts laben wollen. Fast 2000 Gäste sind wieder dabei. Und die meisten amüsieren sich.

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