Berlin : Bundestagsneubau: Riesenschaden durch Wasserrohrbruch

Christian van Lessen

Wasserfluten im Bundestagsneubau-Block des "Jakob-Kaiser-Hauses" haben die Terminplanung des Parlaments ins Wanken gebracht. In der Nacht zum Donnerstag hatte ein Wasserrohrbruch drei Untergeschosse des Neubaus an der Dorotheenstraße Ecke Ebertplatz überflutet. Der Druck war so groß, dass selbst eine Stahltür aus den Angeln gerissen wurde. Dabei stand auch wichtige Haustechnik unter Wasser, teilte der Vorsitzende der Bundestagsbaukommission, Dietmar Kansy, mit. Die Schadenshöhe stehe nicht fest. Die Bundesbaugesellschaft sprach von einer "sehr ernsten Angelegenheit". Als Einzugstermin war der 1. Juli 2001 vorgesehen, bezugsfertig sollte der Block Anfang April sein. Nun werden sich die Termine um voraussichtlich mehrere Wochen verschieben.

Auch der 400 Meter lange Tunnel, der die Bundestagsbauten verbinden soll, wurde von den Fluten erfasst. Unter der Spree stand das Wasser einen halben Meter hoch, inzwischen ist alles leergepumpt, die Feuerwehr hatte diee ganze Nacht zu tun. Im Tunnel sind die Schäden nach Angaben der Bundesbaugesellschaft bei weitem nicht so gravierend wie in den Häusern. Betroffen ist von den aus acht Gebäuden bestehenden Jakob-Kaiser-Haus vor vor allem schon das von Gerüsten befreite Eckgebäude gegenüber dem Reichstag an der Dorotheenstraße. Hier ist die Technik des gesamten Blocks installiert. Überflutet wurde mit seinen Tiefgeschossen bis 12 Meter unter der Erde auch das gegenüberliegende neue Eckhaus. Nach Auskunft der Wasserbetriebe hatte ein loser Stopfen an einer üblicherweise ungenutzten Leitung den Schaden ausgelöst. Bei Arbeiten am Netz sei Wasser in ein seit Jahren ungenutztes Rohr geleitet worden, nach Ende der Arbeiten durch die normale und die bisher nicht betriebene Leitung gelaufen. Dort habe sich der Stopfen gelöst. Das Wasser sei ins Erdreich und ins Haus geströmt. Es gebe noch keine Hinweise darauf, warum der Stopfen nicht gehalten habe.

Nach Kansys Angaben wurden Feuerwehr und Wasserbetriebe alarmiert, als Rinnsale auf der Straße Richtung Brandenburger Tor liefen. Das Wasser drückte in den drei Untergeschossen eine Stahltür auf. Es lief auch in das Geschoss, das für einen dreistelligen Millionenbetrag mit den Leitungen für Strom und Nachrichtentechnik versehen worden war. Die Heizungsanlage sei glücklicherweise nicht betroffen, sagte Geschäftsführer Michael Kretschmer von der Bundesbaugeselllschaft. Er bezeichnete den Schaden als einen "Schlag", der Auswirkungen auf den ganzen Block haben werde. Gutachter seien beauftragt, den Schaden zu prüfen und Verantwortlichkeiten zu klären. Mit Ergebnissen sei in wenigen Tagen zu rechnen.

Auch in den Geschossen ohne Technik könnte nach Angaben der Gesellschaft eine "kleine Katastrophe" passiert sein, wenn der Estrich Schaden genommen habe. Die Verantwortung läge vermutlich bei den Wasserbetrieben. Dies wies ein Sprecher des Versorgungsunternehmens zurück. "Wir müssen uns keiner Schuld bewusst sein." Nach seinen Informationen habe genau an der Stelle, an der das Wasser einen Krater freigespült habe, zuvor eine Baufirma mit schwerem Gerät gearbeitet. Es müsse geprüft werden, warum der Schaden entstanden sei. Dies könne auch durch zu hohes Gewicht eines Baggers geschehen.

Der Bundestagsabgeordnete Kansy wies auf den Zeitdruck hin, unter dem der Neubau ohnehin stünde. Viele Firmen hätten ihre Arbeiten nicht in der vorgesehenen Zeit abgeschlossen.

Der Vorgang weckt Erinnerungen an die Überflutung des Bonner Abgeordnetenhauses "Schürmann-Bau", der nach Schäden durch Rhein-Hochwasser zum teuren Sanierungsfall geworden war.

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