Berlin : Busfahrer bremsen die Ich-AG aus

BVG-Mitarbeiter zeigen kein Interesse am Plan, selbstständiger Transport-Unternehmer zu werden

Klaus Kurpjuweit

Das war wohl nichts: Die BVG-Mitarbeiter interessieren sich bisher kein bisschen dafür, selbstständiger Unternehmer zu werden – und Busse in eigener Regie zu fahren. Bei ihm habe sich noch keiner gemeldet, sagte gestern BVG-Chef Rüdiger von Arnim. Auch beim Gesamtpersonalratsvorsitzenden Uwe Nitzgen ist noch kein Interessent aufgetaucht. „Es wird auch keiner kommen“, ist Nitzgen überzeugt. Die Idee von Vorstandschef Andreas Graf von Arnim, Mitarbeiter zu „Ich-AGs“ zu machen, die im Auftrag der BVG Busse fahren sollen, sei „nicht gestaltbar“. Von Arnim will das Modell dagegen im Herbst 2003 einführen: „Wir machen nicht nur Konzepte, wir setzten sie auch um.“

Von Arnim besteht aber nicht auf der Bezeichnung „Ich-AG“. Anders als beim gleichnamigen Hartz-Modell gehe es ja nicht darum, Arbeitslosen wieder eine Beschäftigung zu verschaffen; die Mitarbeiter behielten vielmehr ihren Job. Von Arnim schwebt ein „Team BVG“ vor, zu dem sich mehrere Mitarbeiter zusammenschließen sollten. Fahrer könnten mit Kollegen aus der Werkstatt, dem Lager oder auch der Verwaltung gemeinsam einen Bus erwerben und zum Beispiel in Form einer Genossenschaft mit einem langfristigen Vertrag in der Tasche für die BVG weiterfahren. Die BVG würde bei Bedarf Ersatzfahrzeuge stellen, große Reparaturen übernehmen und auf Wunsch sich auch um die Buchführung kümmern. Ein ähnliches Modell sei auch bei den Reisemärkten möglich, die derzeit von der BVG-Werbetochter in U-Bahnhöfen betrieben werden.

Die BVG will, wie berichtet, die Zahl ihrer Mitarbeiter drastisch reduzieren, um wettbewerbsfähig zu werden. Zu den 400 BVG-Beschäftigten, die das Unternehmen durchschnittlich im Jahr ohnehin verlassen, sollen bis 2007 jedes Jahr zusätzlich 500 bis 700 kommen, die man zum Ausscheiden „überreden“ will. Betriebsbedingte Kündigungen sind laut Tarifvertrag ausgeschlossen.

Bisherige Abfindungsangebote fanden nicht die vom Vorstand erhoffte Resonanz. Derzeit hat die BVG 500 Beschäftigte mehr, als im Sanierungsplan vorgesehen ist. Abgespeckt werden soll vor allem die Verwaltung – von etwa 1400 Mitarbeitern auf zunächst rund 600. Ein Teil soll auch andere Aufgaben übernehmen, zum Beispiel Fahrscheinkontrollen. So könnten auch die Einnahmen erhöht werden, ist Nitzgen überzeugt. Nach seiner Ansicht fahren etwa zehn Prozent der Fahrgäste „schwarz“. Dadurch entstünden Millionenverluste.

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