Busfahrer gesucht : Bei der BVG sitzen nun auch Rentner am Steuer

Wenn der Bedarf extrem hoch ist, dürfen bei der BVG jetzt auch Rentner Busse fahren. Ex-Mitarbeiter hatten Hilfe angeboten. Verdi hält davon nichts.

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Die BVG hat gut 2900 Busfahrer. Davon fallen derzeit 80 wegen Elternzeit oder Krankheit aus, 431 arbeiteten in Teilzeit.
Die BVG hat gut 2900 Busfahrer. Davon fallen derzeit 80 wegen Elternzeit oder Krankheit aus, 431 arbeiteten in Teilzeit.Foto: Britta Pedersen, dpa

Bei der BVG dürfen jetzt auch Rentner am Steuer eines Busses sitzen. Bisher war dies nur bei privaten Unternehmen, die im Auftrag der BVG fahren, üblich. Die Gewerkschaft Verdi wirft der BVG deshalb vor, sie bekämpfe ihren Fahrermangel, indem sie BVG-Rentner auf 450-Euro-Basis reaktiviere.

Die BVG kontert: Ehemalige Mitarbeiter hätten den Wunsch geäußert, im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten einige Dienste zu fahren. Das Unternehmen habe das arbeitsrechtlich geprüft und festgestellt, dass es grundsätzlich möglich ist, dem Wunsch der altgedienten Kollegen nachzukommen, sagte Sprecher Markus Falkner. Die Ex-Mitarbeiter seien zum Teil noch keine 65 Jahre alt und würden, wie die anderen Fahrer, regelmäßig von der Betriebsärztin untersucht.

Denkbar wäre dies etwa, um sommerliche Spitzen beim Ersatzverkehr für Bauarbeiten bei der U- und Straßenbahn abzufedern. Diese Leistungen schreibt die BVG regelmäßig aus. Zuletzt hat dabei, wie berichtet, auch ein Unternehmen aus dem Rheinland den Zuschlag erhalten. Dessen Fahrer kutschieren nun derzeit durch Berlin – 15 an der Zahl.

Warum nun gerade die Gewerkschaft, die von der BVG doch so vehement Aktivitäten zur Gewinnung weiterer Fahrer fordere, Überlegungen kritisiere, zusätzlich zu allen anderen Maßnahmen auch ehemaligen Kollegen die Gelegenheit zu geben, ihre Rente aufzubessern, sei unverständlich, sagte Falkner weiter. Die BVG dementiert, dass es bei ihr im Busbereich einen Fahrermangel gibt. Die Ausschreibungen für den Ersatzverkehr erfolgten, um die eigene, vorhandene Reserve nicht angreifen zu müssen.

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Gewerkschaftssekretär Jeremy Arndt bleibt dagegen dabei: Wenn die BVG den Beruf des Busfahrers nicht attraktiver mache, drohe mittelfristig Personalnot und damit Ausfälle von Fahrten. Wegen eines Fahrermangels bei der Straßenbahn, der zu erheblichen Einschränkungen im Betrieb geführt hatte, halfen der BVG 2015/16 Fahrer aus Mainz aus. Inzwischen kommt das Unternehmen wieder ohne fremde Hilfe zurecht. Aktuell sucht die BVG keine Busfahrer, aber Straßenbahnfahrer, wie unter den Stellenangeboten unter www.bvg.de zu lesen ist.

Wie kürzlich berichtet, hat die BVG 2933 Busfahrer. Davon fallen derzeit 80 wegen Elternzeit oder Krankheit aus, 431 arbeiteten in Teilzeit. Beim Tochterunternehmen "Berlin Transport" gibt es 1600 Busfahrer – die Internetseite des Unternehmens scheint ausschließlich zur Werbung von neuen Busfahrern geschaltet zu sein.

Zwei Mal in der Geschichte der Nachkriegs-BVG ist fremde Hilfe regelrecht bejubelt worden: nach Mauerbau und nach Mauerfall. Als Trotzreaktion hatte West-Berlin 1961 nach dem Bau der Mauer der von der DDR-Reichsbahn auch in West-Berlin betriebene S-Bahn den Kampf angesagt, der Boykott stand unter dem Motto "Wer S-Bahn fährt, finanziert Ulbrichts Stacheldraht". Parallel zu den S-Bahn-Strecken eröffnete die BVG also neue Buslinien. Um die betreiben zu können, wurden Busse und Fahrer von Westdeutschen Verkehrsbetrieben ausgeliehen.

Ganz anders Situation nach dem Mauerfall: Ab dem 10. November strömten täglich hunderttausende DDR-Bürger nach West-Berlin – die Enge in U-Bahnen und Bussen ist unvergessen. Wieder kamen 60 Busse aus dem Bundesgebiet. Weitere etwa 20 Busse stellten die amerikanischen Militärbehörden zur Verfügung. Auch private Reisebusse fuhren für die BVG, die Liniennummern provisorisch hinter der Windschutzscheibe. Gemeckert hat damals keiner.

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