Berlin : BVG macht ernst: Zugangssperren in der U-Bahn

KLAUS KURPJUWEIT

BERLIN .Die BVG hat sich entschieden: Vom Herbst an will sie - zunächst versuchsweise - nach den Vorbildern von Paris, New York oder auch Moskau Zugangssperren bei der U-Bahn einführen.Dies kündigte U-Bahn-Chef Ulrich Deinhardt an.Die ersten Sperren sollen auf Bahnhöfen der Linien U 2 (Ruhleben - Vinetastraße) und U 4 (Innsbrucker Platz- Nollendorfplatz) eingerichtet werden.Getestet werden sie innerhalb eines Versuches mit einem elektronischen Fahrschein.Mit den Sperren verbunden wäre dann auch eine Rückkehr von Personal auf die Bahnhöfe.

Noch aber sind zahlreiche Probleme nicht gelöst.Matthias Horth vom Fahrgastverband IGEB bezeichnete die Pläne als "nicht zu Ende gedachte Schnapsidee".Für den Einbau von Sperren seien die Anlagen der U-Bahn in Berlin überhaupt nicht geeignet.Diese Bedenken werden auch von Mitarbeitern der BVG geteilt.

Das Unternehmen hat sogar einen Gutachter beauftragt, der prüfen soll, ob der Einbau von Sperren bautechnisch überhaupt möglich ist.Vor allem die Stationen aus der Gründerzeit der U-Bahn sind so angelegt, daß Treppen von der Straßenmitte direkt auf den Bahnsteig führen.Hier bleibt kaum Platz für zusätzliche Sperren.Erst später wurden Bahnhöfe mit Zwischengeschossen im Ein- und Ausgangsbereich gebaut.Zudem führen inzwischen oft Aufzüge von der Straße direkt auf den Bahnsteig, wie etwa am Wittenbergplatz.Die Sperren müßten dann eventuell sogar im Freien auf dem Vorplatz angelegt werden.

Nicht entschieden ist bisher auch, ob man Türen, Klappen oder Drehkreuze installieren will.Fest steht nur, daß nach dem Einbau von Sperren auch Personal auf den Bahnhöfen sein müßte, um helfend einzugreifen.Die Mitarbeiter müßten Fahrgästen mit Kinderwagen, einem Fahrrad oder Rollstuhlfahrern, die die Sperren nicht passieren können, eine Extra-Tür öffnen.

Horth hält dies für widersinnig."Erst zieht die BVG die Abfertiger von den Bahnsteigen ab und erzeugt damit bei den Fahrgästen ein Gefühl der Unsicherheit, und dann will sie wieder Personal an die Sperren setzen." Wichtiger seien BVG-Mitarbeiter auf den Bahnsteigen, wo sie von den Fahrgästen angesprochen werden könnten.

Personal an den Eingängen gab es übrigens bei der BVG bereits einmal.Es kontrollierte von besonderen Häuschen ("Wannen") aus die Fahrscheine.Diese Mitarbeiter wurden schon vor Jahren wegrationalisiert.Damals war das Schwarzfahren fast unmöglich.Inzwischen hat es überhand genommen.Mit den mechanischen Sperren soll die in die Höhe geschnellte Schwarzfahrerquote jetzt wieder eingeschränkt werden.

Hauptgrund für die Einführung der Sperren ist aber der elektronische Fahrschein (electronic ticketing).Der Fahrschein im Format einer Scheckkarte enthält einen Chip, auf dem eine Geldsumme gespeichert ist.Beim Passieren einer Sperre wird der Ein- und Ausstieg registriert und der Fahrpreis am Schluß abgezogen.

Ein Versuch mit zunächst 25 000 ausgesuchten Fahrgästen soll im Herbst zeigen, ob dieses System überhaupt realisierbar ist.Nur dann, so sagte der zuständige Projektleiter Detlev Kruse, werde es auch Sperren geben.Für alle Bahnhöfe seien sie ohnehin nicht vorgesehen.Im Versuch muß eine Lösung für den Zugang mit und ohne Sperre gefunden werden.

Der elektronische Fahrschein muß sich aber nicht nur in der Praxis bewähren.Banken haben bereits Widerspruch geäußert, weil sie den elektronischen Fahrschein als Kreditgeschäft sehen, für das ausschließlich das Kreditgewerbe zuständig sei.Hier finden derzeit nach Kruses Angaben noch Gespräche statt.

Mit einer anderen modernen Technik hat die BVG weniger Probleme.Ebenfalls im Herbst will sie zunächst auf den Linien U 1 bis U 4 ein seit langem angekündigtes elektronisches Informationssystem einführen.Das wird dann unter anderem zeigen, wann die nächste Bahn kommt und kann auch flexibel bei Verspätungen und Zugausfällen reagieren.Von denen gibt es bei der BVG reichlich.

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