Berlin : BVG macht weniger dicke Luft

Auf Berliner Straßen fahren die umweltfreundlichsten Busse Europas. Start mit 25 Fahrzeugen

Klaus Kurpjuweit

Die BVG ist der Zeit weit voraus. Bereits jetzt erfüllen 25 Busse die EU-Abgas-Normen, die von 2008 an gelten. Damit zählen diese Fahrzeuge, die gestern vorgestellt wurden, zu den saubersten in Europa. Sie sind aber auch teurer als herkömmliche Busse; rund 14 000 Euro muss die BVG zusätzlich für die modernen Rußfilter und die reinigende Abgasrückführung aufwenden. Das Bundesumweltministerium förderte den Kauf mit „äußerst zinsgünstigen Krediten“. Im Betrieb sind die Busse nach Angaben von BVG-Bus-Direktor Johannes Müller dagegen kaum teurer. Die BVG wird die ersten 25 vorwiegend in Zehlendorf einsetzen.

Bei der Wahl für den bundesweiten Wettbewerb „Anspruchsvolle Umweltstandards im Öffentlichen Nahverkehrs-Wettbewerb“ war die Wahl bei den abgasarmen Dieselbussen auf die BVG gefallen. Frankfurt (Oder) testet in diesem Rahmen umweltfreundliche Erdgasbusse. Diese waren bei einem vorangegangenen Test der BVG zu teuer gewesen.

Hersteller der abgasarmen Dieselbusse ist der schwedische Volvo-Konzern. Deutsche Unternehmen seien zwar in der Lage, teure Geländewagen mit Abgaswerten eines Kleinlasters zu bauen, bei der modernen Filtertechnik hätten sie aber kein vergleichbares Angebot, sagte gestern Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) etwas süffisant.

Auch die BVG muss deshalb zumindest vorläufig weiter Busse mit einer nicht ganz so modernen Technik einsetzen, die noch zu viel Stickoxid ausstoßen. Denn Volvo bietet derzeit nur einen Bustyp an; die BVG setzt aber verschiedene Varianten ein. Die sauberen Busse sind aber so wichtig, dass auch der schwedische Botschafter Carl Tham bei der Vorstellung dabei war und die Industrie seines Heimatlandes für ihre Innovationsfähigkeit loben konnte. So entstand immerhin ein europäisches Projekt.

Wenn die BVG mit sauberen Bussen, die auch noch leiser sind als herkömmliche Fahrzeuge, durch Berlin fährt, ist dies durchaus zu spüren und zu riechen. Nach Angaben von BVG-Vorstand Hans-Heino Dubenkropp verbraucht das Unternehmen jährlich 450 Millionen Liter schwefelfreien Dieselkraftstoff. Damit ist immerhin bei einem Sechstel des Gesamtverbrauchs in Berlin der Schadstoffausstoß minimiert.

Bereits in den vergangenen Jahren war die BVG Vorreiter bei umweltfreundlichen Bussen. Über 1000 ihrer 1400 Fahrzeuge sind mit Rußfiltern ausgestattet, die die Partikel weitgehend zurückhalten. Etwa 6500 Euro gab die BVG hierfür bei jedem damit ausgestatteten Bus aus. Dagegen pusten die meisten Last- und auch Personenwagen, wie berrichtet, weiter viel Dreck aus. Spediteure scheuen meist die Kosten für die neue Technik. Derzeit werden auch deshalb die von 2005 an geltenden Normen beim so genannten Feinstaub, der sich in der Lunge festsetzen kann, auf zahlreichen Straßen nicht eingehalten.

Durch welche Tür die Fahrgäste in Zukunft in die Busse einsteigen müssen oder dürfen, steht übrigens noch nicht fest. Erst wolle man den Test mit dem Vordereinstieg abwarten, der bis Ende Februar im Spandauer Bereich läuft, sagte Bus-Direktor Müller gestern.

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