BVG : Machtkampf vor dem Spitzentreffen

Bei Verdi ist im BVG-Streit alles möglich

Klaus Kurpjuweit

Der Tarifkonflikt bei der BVG entwickelt sich zunehmend auch zu einem Machtkampf innerhalb der Gewerkschaft Verdi. Das nach Informationen des Tagesspiegels von der Berliner Landeschefin Susanne Stumpenhusen angeregte überraschende Spitzengespräch am späten Montagabend mit ihr und BVG-Vorstand Andreas Sturmowski bei Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) ist nach der Sitzung der Tarifkommission von Verdi angesetzt, die bereits am Mittag stattfinden soll. Theoretisch könnten die Funktionäre dann noch vor dem Treffen bei Sarrazin beschließen, dass der ausgesetzte Streik bereits am Dienstag wieder aufgenommen wird. Vorbereitet hat sich Verdi jedenfalls darauf. Ob es dann noch zu dem abendlichen Gipfel kommen würde, ist offen. Stumpenhusen stünde dann dumm da.

Schließlich soll im abendlichen Gespräch versucht werden, Sarrazin dazu zu bewegen, seinen bisher starren Kurs aufzuweichen. Der Finanzsenator, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der BVG ist, will bisher vor allem Einkommenssteigerungen bei den Altbeschäftigten der BVG verhindern, die nach Angaben der BVG durchschnittlich über 600 Euro mehr Geld erhalten als ihre Kollegen, die nach dem Herbst 2005 eingestellt worden sind.

Die BVG ist bereit, insgesamt 20 Millionen Euro pro Jahr für höhere Löhne auszugeben. Übers Wochenende rechnen die Experten mehrere Varianten aus, wie dieses Geld auf Alt- und Neubeschäftigte verteilt werden könnte. Intern heißt es bei der BVG, wenn dabei herauskomme, dass ein oder zwei Millionen Euro draufgelegt werden müssten, sollte das Angebot daran nicht scheitern.

In den bisherigen Gesprächen haben sich die Kontrahenten jedoch festgefahren. Auch deshalb sucht man nun das Spitzengespräch, das von der Tarifkommission aber noch torpediert werden könnte. 2005 hatten der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, Sarrazin und Verdi-Chef Frank Bsirske mit einer solchen Runde noch Erfolg und einen drohenden Streik in letzter Minute damit verhindert. Klaus Kurpjuweit

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