Berlin : BVG: Preiserhöhung im Sommerloch

Markus Engelhardt

Heinz Kramer aus Mitte schimpft am Schalter der BVG am Alexanderplatz: "Letzten Monat hat die Karte doch sechs Mark weniger gekostet." "Fahrpreiserhöhung!", erklärt ihm die Verkäuferin durch die Scheibe und zuckt mit den Schultern. 126 Mark muss Kramer jetzt für seine Monatsmarke Premium auf den Tresen legen. Dafür aber kann er nun das Rad oder bis zu drei Kinder mitnehmen.

Student Raoul Sanchez aus Barcelona hat sich wie jeden Monat eine Monatsmarke für Auszubildende am Automaten gekauft. Die kostet plötzlich 81 Mark statt wie bisher 78 Mark. "Drei Mark mehr. Das klingt nicht viel, aber ich muss als Student aufs Geld achten und da tut das schon weh. Doch was soll ich dagegen machen? Ein Auto ist noch teurer."

Zum Thema Ted: Sanierungsfall BVG: Haben Sie Verständnis für die Fahrpreiserhöhung? Ob Einzelfahrausweise, Tageskarten oder Monatskarten - seit dem 1. August müssen die Berliner und Touristen jetzt tiefer in die Tasche greifen. Der Unmut hält sich aber bislang in Grenzen. Nicht überraschend für Christfried Tschepe, Vorstand des Fahrgastverbandes IGEB: "Viele Berliner sind jetzt noch im Urlaub und werden von den neuen Preisen für Bus und Bahn erst in ein paar Wochen überrascht." Bei der IGEB blieben die Telefone am Mittwoch meist still. Mit einigen schriftlichen Beschwerden rechnet Tschepe jedoch fest. Größte Kritik übt die IGEB an der Anhebung der Preise der Einzelfahrscheine und der Abschaffung der Kleingruppenkarte, mit der fünf Personen einen Tag für 21 Mark Bus und Bahn nutzen konnten. "Darüber werden wir mit der S-Bahn, der BVG und der DB-Regio verhandeln. Die Kleingruppenkarte muss unbedingt wieder eingeführt werden." Einige Neuerungen seien für Tschepe jedoch durchaus lobenswert, so etwa die Senkung des Preises der Schülermonatsmarke von 60 auf 45 Mark. Auch das neue Geschwisterticket und die Freizeitkarte für 45 Mark hält Tschepe für attraktive Angebote, denn besonders die Freizeitkarte sei eine interessante, aber leider noch völlig unbekannte Alternative zur nur unter besonderen Vorgaben erhältlichen Seniorenkarte.

Barbara Mansfield, Pressesprecherin der BVG, berichtet, dass es bereits 120 Beschwerdeanrufe gegeben hat. "Meistens ging es um die Verteuerungen und die Abschaffung der Kleingruppenkarte. Viele verstehen aber die ganze Aufregung nicht." Die Kartenverkäufer der BVG werden regelmäßig geschult, damit sie gegenüber den Kunden freundlich und gelassen bleiben. Pressesprecherin Mansfield: "Aber es gibt freundliche und unfreundliche Verkäufer - wie auch freundliche und unfreundliche Berliner."

Die Touristen, die ihren Urlaub in der Hauptstadt verbringen, staunten teilweise nicht schlecht. Familie Kerner aus Leipzig ist über die Monatswende nach Berlin gekommen: "Am 31. Juli haben wir noch für 8,70 Mark eine Tageskarte gekauft. Heute am 1. August mussten wir 12 Mark zahlen." Von der Preiserhöhung hatten sie wie viele Touristen nichts mitbekommen.

Auch Urlauber Peter Wilke, Berliner mit Wohnsitz in den USA, musste beim Einzelfahrschein draufzahlen, was ihm jedoch herzlich egal war: "So what! Alles wird teurer. Da sind diese Preise doch völlig in Ordnung. Berlin hat für mich das beste Verkehrsnetz in Europa."

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