Berlin : BVG startet Test zunächst auf nur zwei U-Bahnstrecken

Klaus Kurpjuweit

Der mit großem Aufwand angekündigte Versuch mit einem elektronischen Fahrschein für Fahrten mit Bahnen und Bussen findet zunächst in kleinerem Rahmen als ursprünglich geplant statt. Zum Teststart am 1. Oktober werden die Lesegeräte für das "tick.et"-System nur auf den Bahnhöfen der U-Bahn-Linien U 2 (Ruhleben-Vinetastraße) und U 4 (Nollendorfplatz-Innsbrucker Platz) stehen.

Die Straßenbahn-Linie 2 (Hackescher Markt-Pasedagplatz, die Buslinien 100 (Zoo-Prenzlauer Berg) und 348 (U-Bahnhof Breitenbachplatz-Mollstraße/Prenzlauer Allee) sowie die Stadtbahnstrecke der S-Bahn zwischen Alexanderplatz und Zoo kommen nach Angaben des Verkehrsbetriebs erst später hinzu. Dort sind die Geräte noch nicht einmal installiert.

Weil die Vernetzung des Systems sehr kompliziert sei, habe man sich entschlossen, den Versuch stufenweise zu starten. Erst wenn feststehe, dass die neue Technik auf den beiden U-Bahn-Strecken funktioniere, werde man die anderen Linien umrüsten, sagte BVG-Sprecher Klaus Wazlak gegenüber dem Tagesspiegel.

BVG-Chef Rüdiger vorm Walde hat dabei ein hohes Ziel gesetzt. Wenn man auch nur einen Fehler im System feststelle, sei das Projekt erledigt, sagte er bei der Präsentation Anfang August.

Versuche mit elektronischen Fahrscheinen gibt es bereits bei anderen Verkehrsbetrieben - allerdings immer nur für ein Verkehrsmittel. In Berlin sollten nun zum ersten Mal alle Bahnen und Bussysteme beteiligt werden. Damit werde man Anfang 2000 soweit sein, kündigte Wazlak an. Der Versuch ist insgesamt für ein halbes Jahr angesetzt.

Noch hat die BVG allerdings auch nicht die vorgesehene Zahl von Testern gefunden. 25 000 sollten sich beteiligen. Wie viele sich inzwischen gemeldet haben, wollte Wazlak wie bereits in der Vergangenheit nicht sagen. Es seien genügend, um mit dem Versuch beginnen zu können, weitere Tester seien aber willkommen.

Wer an dem Versuch teilnimmt, erhält eine verbilligte Monatskarte für das Tarifgebiet A/B, das den gesamten Stadtbereich von Berlin umfasst. Zudem lockt die BVG mit einer Verlosung von Reisen.

Der elektronische Fahrschein muss an einem Automat mit einem Geldwert geladen werden. Dann müssen sich die Fahrgäste vor einer Fahrt an einem Gerät an- und am Ende wieder abmelden, was berührungslos möglich ist. Dabei wird dann der Fahrpreis berechnet. Diese Prozedur ist dann auch beim Umsteigen erforderlich.

Unterschiedliche Ansichten gibt es weiter bei den Verkehrsunternehmen, ob eine Einführung des elektronischen Fahrscheins zwangsläufig auch zum Einbau von Zugangssperren auf den Bahnhöfen führen würde. Für BVG-Chef Rüdiger vorm Walde wären solche Sperren dann zwingend erforderlich. Die S-Bahn will nach Angaben ihres Sprechers Ingo Priegnitz dagegen auf jeden Fall auf Sperren verzichten .

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