BVG-Streik : Festtag für die Taxifahrer

Am ersten Streiktag fielen auf dem Berliner Flughafen Tegel 18 von 503 Flügen aus. Zudem waren die Zubringer-Busse überfüllt. Die einzigen die derzeit vom Ausstand profitieren sind die Taxifahrer.

Brigitte Reidinger

Es ist 13.41 Uhr – pünktlich kommt der TXL an der Haltestelle am Flughafen Tegel an. Eine Traube Menschen wartet bereits, teils mit sperrigem Gepäck. „Endlich isses mal leer“, sagt der Fahrer Götz Tilwitz. Seit 5.30 Uhr ist er schon unterwegs. Leer, das sieht für ihn so aus: alle Sitzplätze belegt, auch im Gang stehen Fahrgäste. Es war schon viel schlimmer. „Morgens, da sind mir die Leute ja quasi auf’m Lenkrad gesessen.“

Drei Busse sind parallel im Einsatz, um den Pendelverkehr zwischen Hauptbahnhof und Tegel am Laufen zu halten. Vormittags hat das nicht so gut geklappt – die Wartezeit am Flughafen betrug bis zu einer Stunde. Schuld war neben dem erhöhten Autoverkehr auch das Schneetreiben.

Eher mäßige Auswirkungen hatte der Streik bei der Lufthansa auf den Betrieb in Tegel: 18 Flüge von 503 Verbindungen wurden hier gestern insgesamt gestrichen, überwiegend innerdeutsche Ziele, wie ein Flughafen-Sprecher bestätigte. Dass das prozentual gesehen wenig ist, half den direkt vom Ausfall Betroffenen allerdings wenig.

Schlechte Karten hatte auch, wer am Vormittag nach der Landung aus dem Flieger ins Taxi steigen wollte. Zwar standen auf dem Vorrückparkplatz bis zu 250 Wagen bereit. Doch vorwärts ging es zeitweise überhaupt nicht. Die Zufahrt zum Terminal war durch das hohe Aufkommen zeitweise vollkommen blockiert. Rund 200 Personen, schätzt Taxifahrer Sebahattin Karakas, mussten deshalb am Flughafen-Terminal längere Zeit warten. Nur gut, dass die Veranstalter der Internationalen Tourismus-Börse ITB vorgesorgt haben: Die oft orientierungslosen Messegäste wurden von mit Schildern bewaffneten Hostessen abgefangen und zu den Shuttlebussen gelotst. „Das war ein Riesenchaos zwischen 10 und 11.30 Uhr“, sagt Hostess Larissa Yasinskay. „Es gab ja viele Verspätungen, entsprechend nervös waren die Leute.“

Das bekamen auch Menschen zu spüren, die mit den Flughafenbesuchern Geschäfte machen wollen. „Die Leute sind alle so hektisch, da bleibt keiner stehen und füllt ein Kärtchen bei uns aus“, beschwert sich eine Angestellte, die mit ihrem Kreditkarten-Angebot wenig Erfolg hat. Besonders entspannt ist sie nicht. Fast zwei Stunden war sie morgens unterwegs, um zur Arbeit zu kommen, 45 Minuten davon zu Fuß.

Keinen Grund zur Klage haben hingegen die Taxifahrer. „Heute ist ein ganz anderer Tag“, freut sich Karakas. „Das Geschäft läuft sehr gut, auch wenn morgens überall Chaos war, besonders an den Flughäfen“, sagt er. Gelassen sieht es auch der Mitarbeiter der zentrale Information am Flughafen. Dass der BVG-Stand von nebenan unbesetzt ist, führe zwar zu mehr Nachfragen als sonst. Doch die Berlin-Gäste seien insgesamt eher amüsiert als genervt, heißt es hier. Brigitte Reidinger

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