BVG will digital aufrüsten : Street View im Bahnhof, W-Lan im Zug

Die BVG will ihre Fahrgäste besser informieren - dank mobiler Daten und einer schlankeren App. Aber es gibt Widerstände.

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An vielen Ampeln hat der Bus die Nase vorn - dank Funkanmeldung. Technisch wäre noch viel mehr möglich.
An vielen Ampeln hat der Bus die Nase vorn - dank Funkanmeldung. Technisch wäre noch viel mehr möglich.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Bus und Straßenbahn sind älter als das Stromnetz, die U-Bahn kaum neuer. Ihr Prinzip hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht grundlegend verändert. Die Technik im Hintergrund allerdings schon.

Ständig senden Busse und Trams ihre Position; die Busse per GPS, die Bahnen über Sensoren an der Strecke. Die Software in der Leitstelle erkennt zum Beispiel, wenn der Bus im Stau steckt oder ausfällt. Auch die Anmeldung an den dafür ausgerüsteten Ampeln funktioniert automatisch: Im Idealfall schwimmt ein Bus auf seiner „persönlichen“ grünen Welle durch Berlin.

Leider schaffen es die Berliner U-Bahnen aber nicht, die nächste Station samt Anschlussmöglichkeiten anzuzeigen – obwohl auf den Bildschirmen an der Decke das „Berliner Fenster“ sein Programm abspult. An dieser Stelle kommt Martell Beck ins Spiel, Bereichleiter für Marketing, Vertrieb und Digitalisierung bei der BVG. Er weiß um den Mangel – und stellt ein Pilotprojekt in Aussicht, das der Anfang einer zeitgemäßen Komplettlösung werden kann. Das ist technisch aufwändig, aber machbar. Martell hofft, dass dies auch für die Vertragsverlängerung mit dem privat betriebenen „Berliner Fenster“ gilt.

W-Lan im Zug haben Netzbetreiber nicht gern

Wer am richtigen Bahnhof steht, ist noch nicht unbedingt an der richtigen Stelle: Wo ist der Ticketautomat, wo der Durchgang zur U 5, welcher Ausgang der zum Fernsehturm? Kleine Sender, „iBeacons“ genannt, können Fahrgäste komfortabel durchs oft unübersichtliche Terrain lotsen. „Am liebsten wäre mir eine Art Street View“, sagt Beck. Diese Variante bräuchte allerdings enorme Datenmengen. Die wiederum kämen sinnvollerweise über W-Lan. Der Bahnhof Osloer Straße ist testweise damit ausgestattet; weitere sollen folgen, 190 000 Euro aus der Bettensteuer stehen als Förderung zur Verfügung. Es geht also voran.

W-Lan auf Bahnhöfen mag gut sein, W-Lan in Zügen – also für die Fahrgäste – wäre noch besser. Ein Fall für die Mobilnetzbetreiber, die aber wenig Interesse daran haben, dass ihre Kunden beim mobilen Surfen ihre Datenvolumina schonen und sich gar die Roaminggebühren sparen.

Die App soll entrümpelt werden

Für gutes Netz im U-Bahn-Netz spricht auch, dass es den Ticketkauf per App erleichtert. Der läuft bisher schleppend, was Beck allerdings auch mit der App selbst erklärt: Die mühsame Registrierung solle künftig wegfallen.

Die Entrümpelung der App steht weit oben auf Becks Liste. Und die ist lang: Bei den Kollegen in Hongkong gefällt ihm beispielsweise eine Funktion, mit der das Personal Ärgernisse fotografieren und direkt die Beseitigung veranlassen kann. Oder die, die den aktuellen Standort der nächsten Kollegen – ob für Technik, Service oder Sicherheit – anzeigt. Wäre das nicht auch für die Fahrgäste toll? Findet Beck auch. Aber dafür werden noch viele Gespräche mit Personalrat und Datenschützern zu führen sein.

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