Cannabispflanzen am Kottbusser Tor : Wenn gärtnernde Kiffer das Berlin-Flair kaputtmachen

Bürger ergreifen die Initiative für mehr Grünflächen in der Stadt, aber die Polizei ist dagegen: 700 Cannabispflanzen wurden am Kottbusser Tor liebevoll angebaut und jetzt wieder vernichtet. Ein Schnupperkurs.

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Eine grüne Oase im Großstadtbetrieb: Die Mittelinsel des Kotti-Kreisverkehrs mit den Hanfpflanzen.
Eine grüne Oase im Großstadtbetrieb: Die Mittelinsel des Kotti-Kreisverkehrs mit den Hanfpflanzen.Foto: Polizei Berlin

Das bürgerschaftliche Engagement für schönere Grünflächen hat am Montagmorgen einen mächtigen Dämpfer bekommen: Die Polizei hat den POK zum Gärtner gemacht und die Mittelinsel des Kottbusser Tors gerodet. Der POK, also der Polizeioberkommissar, war nämlich von einem BSR-Mitarbeiter gerufen worden, dem die plötzliche Ordnung im ansonsten ja eher spontanvegetarischen bzw. -vegetierenden Kreuzberg nicht geheuer war. Zu Recht, wie die Polizisten erkannten: Es waren Cannabispflänzchen, die da auf der Mittelinsel des Kotti sprossen. 700 Stück!

Nun sind sie weg, der Kotti sieht wieder aus, wie der Kotti eben aussieht, und die Polizei fahndet nach dem Täter. Vielleicht war es ein Cannabisbauer, der seine Plantage spontan nach draußen verlegt hatte, nachdem er am Sonntag die Meldung von dem bei der Indoor-Plantagenbewässerung versehentlich mitgefluteten Mehrfamilienhaus in Charlottenburg gehört hatte.

Verbrennen geht ja nicht

Womöglich war es auch einer dieser arrivierten Eigenbedarfskiffer, der angesichts der vom Innensenator ausgerufenen Drogensperrzonen rund um den Görli und sämtliche Schulen der Stadt keinen Ort mehr gefunden hat, an dem er sein Gras im geforderten Mindestabstand zur Zivilisation anbauen konnte. Oder es hat was mit der IGA 2017 zu tun und die eine Behörde wusste mal wieder nicht, was die andere tut.

Die Pflanzen werden nun vernichtet. Wie, vermochte die Polizei auf Nachfrage spontan nicht zu sagen. Verbrennen geht ja nicht – wegen der Umweltzone und wegen der Dämpfe, die unbeteiligte Berliner zu pathologischer Gelassenheit oder gar Freundlichkeit verleiten könnten und deshalb unbedingt zu vermeiden sind.

Wir lassen uns doch nicht von ein paar kiffenden Gärtnern bzw. gärtnernden Kiffern unser orijinal Balina Flair kaputtmachen! Wenn wir’s nett haben wollen, fahren wir schließlich in den Urlaub, zum Beispiel nach Österreich. Und auf dem Weg dorthin singen wir Falcos Kinderlied: Drah di net um, oh oh oh / Der Kommissar gräbt um, oh oh oh!

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