Captain America in Berlin : Dreharbeiten mit Chris Evans und Scarlett Johansson

Unsere Autorin wollte eigentlich nur bei den Dreharbeiten für „Captain America“ zuschauen. Doch plötzlich fand sie sich beim Dreh am Potsdamer Platz zwischen den Komparsen wieder.

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Weltretter. Als Mitglied der Avengers kämpft Captain America (Chris Evans) schon länger gegen das Böse.
Weltretter. Als Mitglied der Avengers kämpft Captain America (Chris Evans) schon länger gegen das Böse.Foto: Promo

Ein Dutzend UN-Soldaten in khakifarbenen Uniformen stiefelt an mir vorbei über den Potsdamer Platz. Kurz darauf folgen sechs UN-Wächter, mit dunkelblauen Schirmmützen, Schulterklappen und dem UN-Wappen auf dem Oberarm der hellblauen Hemden.

Die Dreharbeiten zum dritten Teil der US-Comic-Verfilmung „Captain America – Civil War“ am Potsdamer Platz sind in vollem Gange. Am Sonntag wurde am Potsdamer Platz und entlang der Bellevuestraße das Set aufgebaut, Montag und Dienstag wird rund ums Sony Center, das im Film die Zentrale der Vereinten Nationen ist, gedreht.

Auf der Suche nach Johansson und Evans

Vielleicht bekomme ich ja die Hauptdarsteller Chris Evans und Scarlett Johansson zu Gesicht? „Die haben wir noch nicht gesehen“, sagt einer der blaubehemdeten UN-Komparsen. Jetzt, um elf Uhr vormittags, haben sie Schichtende, seit dem frühen Morgen waren sie am Set. „Die meiste Zeit haben wir rumgestanden. Was man halt so macht, wenn man ein UN-Gebäude bewachen soll.“

Ich gehe weiter zur rot-weißen Absperrung an der Bellevuestraße und geselle mich zu der Menschentraube, die sich zwischen Ritz Carlton und vor dem Restaurant „Lutter und Wegner“ im Sony Center gebildet hat. Für die Dreharbeiten wurde das Schild des Nobelrestaurants mit dem des „Wiener Beisl“, das eigentlich in Charlottenburg ist, überklebt.

Hinter der Absperrung stehen Männer mit Knöpfen im Ohr und Walkie-Talkies in einem Gewirr aus Leitern, Kabeln, Wagen mit Kameras und Stativen und großen schwarzen Kästen, die schwer nach technischem Equipment aussehen. „Wir wollen hier jetzt ein Bild einrichten“, erklärt ein großer wichtig aussehender Mann mit Glatze und Sonnenbrille und bittet die Schaulustigen, beiseite zugehen.

Die Presse darf durch

Direkt am Sony Center stehen ein paar Menschen, denen ich, auf Zehenspitzen gereckt, über die Schulter schaue. „Bist du Presse?“, fragt mich halb von hinten ein Set-Mitarbeiter. Ich nicke und er winkt mich durch. Direkt neben dem Restauranteingang stehen weitere Pressevertreter. „Was passiert hier jetzt?“, frage ich den Kollegen im beigen Parka links von mir. „Keine Ahnung“, ist die eher gelangweilte Antwort. Und schon kommt ein weiterer Mensch mit Knopf im Ohr, deutet auf meinen Gesprächspartner im Parka, auf einen kleinen Mann mit dunklen Haaren und in blauer Jacke und auf mich. Wir sollen uns vor dem Eingang des falschen „Wiener Beisl“ aufstellen. Und plötzlich befinde ich mich mitten im Filmset. Der Herr im beigen Parka und der Mann in blauer Jacke, stelle ich fest, sind gar keine Journalisten, das sind Komparsen, die Journalisten spielen.

Der Held in zivil. Chris Evans beim Dreh im Sony Center.
Der Held in zivil. Chris Evans beim Dreh im Sony Center.Foto: Paul Zinken / dpa

Wie bin ich denn jetzt da reingeraten? Soll ich besser gehen? Aber um mich rum stehen Menschen, rechts diverse Kamerawagen, hinter mir befindet sich eine meterhohe schwarze Blende, links die Absperrung. Ich bleibe einfach stehen und habe Herzklopfen. Etwa fünf Minuten tut sich nichts, wir warten auf Anweisungen. Vielleicht kommt ja gleich Scarlett Johansson aus der Restaurantkulisse?

Stattdessen kommt einer der Knopf-im-Ohr-Menschen auf mich zu. „Von welcher Agentur sind Sie?“, fragt er mich. „Hier werden gerade einige nervös, weil niemand Ihr Gesicht erkennt.“ Ups. Vielleicht hätte ich doch sofort was sagen sollen. Der große Glatzköpfige mit Sonnenbrille und ein Security-Mann von der amerikanischen Produktionsfirma eilen mir entgegen. Sie lassen mich erst gehen, als ich – zum Glück wohl einigermaßen glaubhaft – versichere, dass ich nicht getarnt als Komparsin das Set ausspioniere, sondern hier ein Missverständnis vorliegt.

Gedreht wurde in Mitte und Babelsberg

Schnell weg. Im Innenhof des Sony Centers wird gerade das Catering vorbereitet. Eine Handvoll Kellner des „Josty“ in weißen Hemden und schwarzen Schürzen stellt Wasser, Saft und Cola auf die Tische; am Buffet verraten die Schilder vor den silbernen Speisewärmern, dass die Crew heute Poulardenbrust, Schweinebraten und Sojaspießchen speisen wird. Ob der Captain-America-Darsteller himself Chris Evans Lust hat, sich hier vor aller Augen zu Tisch zu setzen? Eher nicht. Also weiter.

Entlang der Bellevuestraße sind große weiße Versorgungszelte aufgebaut, auf einigen klebt ein rotes, auf anderen ein blaues Kreuz, dazu die Aufschrift „Medical“, auch das Teil der Kulisse. Als sich einer der Security-Männer in orangefarbener Weste auffällig schnell in meine Richtung bewegt, kehre ich lieber um.

Die Journalisten-Komparsen am falschen „Wiener Breisl“ im Sony Center sind nicht mehr da. Sind die hier schon fertig? „Der Dreh wurde abgebrochen, es gab wohl ein Problem mit der Kamera“, erklärt mir ein vereinzelter Schaulustiger. Na, dann habe ich ja trotz meiner überstürzte Flucht nichts verpasst.

Die Gelegenheit, bei den „Captain America“-Dreharbeiten zuzugucken, gibt es bereits seit vergangenem Dienstag. Gedreht wurde bisher in Mitte, weitere Drehs des von den Filmstudio Babelsberg koproduzierten Films sollen an verschiedenen Orten in Berlin folgen. Auch Leipzig dient als Kulisse. Ich gucke mir den Film lieber im Frühjahr 2016 im Kino an.

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